Prinzip der „Endlosen“.

Wenn auch die Lage der Cylinder und die Reihenfolge der Funktionen bei den verschiedenen Systemen eine verschiedene ist, so bleibt doch das Prinzip dasselbe. Das Papier wird von der Fabrik auf eine Rolle gewickelt geliefert; die Zapfen der Rolle drehen sich leicht in den Lagern, in welche sie eingelegt werden, so dass das Papier, wenn einmal den Cylindern zugeführt, durch den Zug der sich drehenden Cylinder von der Rolle abgewickelt wird. Der Streifen passiert (wenn das Papier nicht durch eine besondere Vorrichtung im voraus gefeuchtet wurde) einen Feuchtapparat, wird erst auf der einen Seite gedruckt und dann durch eine S-förmige Bewegung auf den Widerdruckscylinder geführt. Während des ferneren Passierens des Papiers zwischen den Schneidewalzen hindurch wird es derartig perforiert, dass die Löcher sich dicht an einander reihen, so dass das Stück, welches einen Bogen bildet, durch den Ruck, welchen Leitbänder, die mit ungleicher Schnelligkeit sich bewegen, hervorbringen, von der Rolle abgetrennt wird. Der fächerartige Selbstausleger legt nun die Bogen entweder einzeln oder mehrere zusammen auf einen Haufen, oder sie werden, wenn eine Falzmaschine, wie es gewöhnlich der Fall ist, zugleich mit der Druckmaschine verbunden ist, dieser zugeführt und fallen, wie Stroh aus der Dreschmaschine, fertig zum Versenden in einen Behälter. Dabei nimmt eine solche Maschine sehr wenig Raum ein; eine Walter-Maschine erfordert 14 engl. Fuss Länge, 5 Fuss Breite.

Segmentförmige Clichés.

Selbstverständlich gehören zu dieser Maschine segmentförmige Clichés. Boden und Decke des hierzu erforderlichen Giessinstrumentes liegen wie in den für flache Stereotypen bestimmten, parallel, jedoch nicht in der Ebene, sondern in einer Bogenform. Die biegsamen Papiermatern schmiegen sich an den Boden des gerundeten Giessinstrumentes an, der Deckel wird zugemacht und die Platte in üblicher Weise gegossen, voll, oder, wenn der Deckel des Giessinstrumentes darauf eingerichtet ist, nur auf Rippen ruhend. Um den nötigen Druck beim Eingiessen des flüssigen Schriftmetalls auszuüben, ist ein starker Anguss notwendig, dessen Beseitigung durch eine Kreissäge jedoch nur Sache eines Augenblicks ist. Die Justierung des Clichés geschieht ebenfalls in einer Minute oder weniger durch eine Hobelmaschine und die Platte ist zum Einsetzen in die schwalbenschwanzförmigen Halter des Schriftcylinders fertig. Ein Nachteil bei der Papier-Stereotypie ist, dass die Typen beim Trocknen der Matern heiss werden und zusammenbacken. Ryles & Son in Bradford haben nun eine Methode erfunden, die Mater, welche im feuchten Zustande von der Schrift abgehoben wird, in einem besonders konstruirten Rahmen festzuhalten und für sich ohne die Schrift zu trocknen.

Verschiedene „Endlose“.

Der Walterpresse folgte die „Victoriapresse“[49] von Duncan & Wilson in Liverpool. Diese, namentlich in der Provinz beliebte Maschine war die erste, die mit Falzapparat arbeitete; dann kam die „Prestonian“ der Herren Bond & Forster, welche sowohl für Platten- als für Schriftdruck eingerichtet ist; die „Northumbrian“ von Donnison & Son in Newcastle u. T.; die „Whitefriars“ des Jos. Pardoe, gebaut von A. H. Payne, die sowohl für Papier in Bogen als für endloses sich benutzen lässt und namentlich für illustrierte Blätter bestimmt ist.

In Amerika folgten Hoe & Co. und überboten an Leistungsfähigkeit ihrer Maschinen die Engländer. Die Fabrikate von Andr. Campbell sind neueren Datums und noch nicht recht in die Praxis gedrungen.

„Man möchte glauben, dass die äusserste Grenze erreicht sei, wenn die Erfahrung nicht den Menschen belehrte, nie das Wagnis zu unternehmen, der Vervollkommnung eines Menschenwerkes und den unerforschlichen Absichten der Vorsehung eine Grenze im voraus zu bestimmen“, so schrieb Ambr. Firmin-Didot, als er 1851 die Leistungen der Applegathschen Times-Maschine angesehen hatte. Wie sehr er Recht gehabt, zeigen die enormen Leistungen in der Druckerkunst, die wir seit jener Zeit erlebt haben. Jedoch trotz diesen, wer würde es heute wagen, zu sagen: „Nun ist die Grenze wirklich erreicht“.

Endlose für Illustrationsdruck.

Die Verwendung der Endlosen für Illustrationsdruck gelang bis jetzt in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von Thomas Middleton & Co. 1874 für die Offizin der Illustrated London News gebaute, und dem Gründer des Blattes zu Ehren genannte „Ingram-Maschine“ wird zum Druck eines kleinen Blattes The Penny Paper benutzt. Die Konstruktion der Cylinder ist eine eigentümliche. Der vordere, für die Bilderform bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichés nur wenig gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der kleinere Cylinder für die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein Drittel grösserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fünf Formen selbstverständlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen zweckentsprechend.