Diesen Übelständen ist durch die Englische Walzenmasse, die hauptsächlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein; das hauptsächlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzüglichste Material zu nehmen und alle wässerigen Teile daraus zu scheiden. Ohne solche Walzen würden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse Schwierigkeiten erwachsen.
Eine weitere Verbesserung sind die Lanham-Walzen. Waren sie anfänglich nur für lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der Erfinder jetzt auch ein Fabrikat für typographische Maschinen, das sich vorzüglich bewährt. In der Offizin des Daily Telegraph druckt jede Hoesche Maschine stündlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise präparierten Kautschuk-Überzug versehen ist.
Die Farbenfabrikation.
Nachdem die Druckereien aufgehört hatten, ihre Farbe selbst zu fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit dieser Fabrikation beschäftigten, deshalb auch imstande waren, rationell zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840, wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von Parson oder Lawson gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch jetzt ziemlich vom Kontinent verdrängt, so behauptet sie doch ihren guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bläuliche spielenden Ton aus, der ausserordentlich schön ist, den Illustrationen jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind Parsons, Fletcher & Co. in London und A. B. Fleming & Co. in Leith, wohl die grösste Farbenfabrik der Welt.
Fußnoten:
[27] Die Sitte in England, manchmal eine Offizin als Press zu bezeichnen, hat in Deutschland öfters zu Missverständnissen Anlass gegeben. So stand in einem deutschen Fachblatt, dass Lord Stanhopes eiserne Presse unter der Bezeichnung Shakespeare-Press verbreitet sei, während diese Bezeichnung die Firma für Bulmers Offizin war, wo die Stanhope-Presse zuerst arbeitete.
[28] Journ. f. B. 1834, Nr. 10; 1835, Nr. 24.
[29] Beschrieben und abgebildet Journ. f. B. 1834, S. 62.
[30] Über die von J. Clymer erfundene Patent-Columbiapresse. Braunschweig 1828. — Journ. f. B. 1834, S. 95.
[31] Journ. f. B. 1836, Nr. 42.