In praktischer Weise interessierten sich andere Edle für die Presse. Henry Lord Brougham war die Seele der schon erwähnten Society for the Diffusion of usefull Knowledge. Francis Egerton, Lord Bridgewater bestimmte vor seinem Tode im April 1829 gegen 120000 Mark als Honorar für den Verfasser eines Werkes, welches die Weisheit, Macht und Güte Gottes, wie sie sich in der Schöpfung offenbaren, zum Gegenstand haben sollte. Dies gab Veranlassung zu den sogenannten Bridgewater-Büchern, die der populärwissenschaftlichen Litteratur einen mächtigen Anstoss gaben.
Lord Arundel.
Thomas Howard, Lord Arundel wirkte wieder auf andere Weise. Als eifriger Bewunderer der alten christlichen Kunst gab er Veranlassung zur Begründung der Arundel Society (1848), deren Hauptziel es ist, die leichtvergänglichen, dem Verderben besonders ausgesetzten älteren, namentlich vorrafaelischen Werke der Kunst wenigstens in vorzüglichen Farbendrucken der Nachwelt zu erhalten. Die Reproduktion geschieht hauptsächlich unter Beihülfe von den besten Anstalten des Auslandes, besonders der von Storch & Kramer in Berlin, Hangard-Maugé und Engelmann & Graf in Paris.
Die Buchbinderkunst.
Dass die Bücherliebhaberei auf die Buchbinderkunst ungemein fördernd einwirken musste, ist leicht begreiflich. Es entstanden für die reichen Privatsammlungen Meisterstücke, die zu hohen Preisen verkauft wurden. Dieselbe Eigenschaft, die den englischen Bücherdruck auszeichnet: die Verwendung der vollendeten Technik auf dem vorzüglichsten Material, findet sich in der englischen Buchbindung wieder. Die Behandlung des Leders, der Pappen, des Schnittes, des, das gute Aufschlagen des Buches bedingenden Rückens, kurz des ganzen Körpers des Buches ist eine so überaus sorgfältige, dass man leicht eine mitunter nicht ganz kunstgerechte Komposition der Ornamentierung übersieht.
Berühmte Buchbinder.
Merkwürdig genug ist der Umstand, dass ganz besonders Deutsche zu den ausgezeichnetsten Meistern in England gehören. Unter den Eingeborenen war einer der berühmtesten Buchbinder Roger Payne (gestorben 1797), ein eben so talentvoller, wie in seinem Leben unordentlicher Mann[70]. Als sein Meisterwerk gilt ein Aeschylos im Besitz des Lord Spencer. In seinen Ornamenten, die er selbst fertigte, wird er mitunter bizarr, seine Technik bleibt jedoch immer unvergleichlich. Schöne Bände von ihm wurden mit 400 Mark und mehr bezahlt. Ein Einband von dem Boydellschen Shakespeare in neun Bänden kostete über 2500 Mark. Eine zeitlang arbeitete er zusammen mit Richard Wier, auch ein höchst geschickter Mann, aber eben so unordentlich wie Payne. Die Verbindung artete in einen oft mit den Fäusten ausgekämpften innern Krieg aus. Wiers Frau war bekannt als unübertroffen in der Restauration alter Bücher. Nächst Payne wurde Charles Lewis, aus Hannover stammend, gelobt. Seine durch Harmonie und Eleganz sich auszeichnenden Bände werden als die grössten Zierden der Bibliotheken reicher Sammler betrachtet.
Der Buchbinder Kalthöfer hatte einen solchen Ruf erlangt, dass die Kaiserin von Russland einen besonderen Abgeordneten sandte, um ihn zu bewegen, nach Russland zu kommen, was er jedoch, trotz der glänzenden Bedingungen, ablehnte. In neuester Zeit gilt als erster Meister nicht nur in England Joseph W. Zähnsdorf, ein Böhme von Geburt, der auch durch Herausgabe von The Art of Bookbinding theoretisch wirkte, ohne damit ganz den Erwartungen zu entsprechen, die man hegen durfte, wenn ein so eminenter Praktiker seine Erfahrungen zu Papier bringt.