Eine besondere Bestimmung über das litterarische Eigentum giebt es in China nicht, es ist ein Eigentum wie jedes andere und Nachdruck wird mit 100 Stockschlägen und Deportation bestraft.

Japan.

In der Hauptstadt von Japan, Yeddo (Tokio), wurde seit 1785 in europäischer Weise gedruckt und entwickelt sich dort eine rege Thätigkeit. Jedenfalls ist Japan, dieser ferne Kulturposten im Osten, bestimmt, einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Civilisation einzunehmen. Das Tick-Tack der Typen und das Klappern der Pressen haben jedenfalls dort grössere Eroberungen gemacht, als alle Flotten der alten und der neuen Welt mit ihren Kanonen und Soldaten fertiggebracht haben würden. Die japanische Druckindustrie ist in fortwährender Steigerung begriffen und die Ausüber sind fast alle Eingeborene. Noch vor 15 Jahren hatte Japan kein Journal in einheimischer Sprache, jetzt zählen die Journale nach hunderten, unter welchen weder Mode-, Witz- noch illustrierte und photographische Blätter fehlen. Das verbreitetste Blatt ist Yomiri Schimbun mit 20000 Exemplaren. Nach einzelnen Zeitungsnummern gerechnet, erreichte die Produktion jährlich 33 Millionen, von welchen ungefähr der dritte Teil durch die Post befördert wurde. Die Redaktion einer Zeitung ist keine ganz gefahrlose Beschäftigung, denn ein der Regierung missliebiger Artikel hat Haft und Geldstrafe zur Folge.

Die Produktion von Büchern ist eine ausserordentlich starke. Namentlich werden englische, deutsche und italienische Wörterbücher, Grammatiken, Parleure, Übersetzungen von astronomischen, nationalökonomischen und namentlich auch medizinischen Werken gedruckt[72]. Der Buchhandel steht unter der Aufsicht der Regierung, geniesst jedoch Abgabenfreiheit. Der Verkauf der Verlagsartikel findet durch Versteigerungen dreimal im Jahre statt, zu denen die Sortimentshändler oder vielmehr die Bücherverleiher — denn das Verleihen ist ein Hauptgeschäft — zuströmen, um die Lücken ihres Vorrates auszufüllen. Es giebt Leihbibliotheken mit 25000 und mehr Bänden. Die Romane, die sehr gern gelesen werden, sind sehr bändereich. Eine deutsche Buchhandlung besteht seit 1870 und viele deutsche Unterrichtsschriften werden nach dort versandt.

Früher liess Japan sein Papiergeld bei Naumann und Dondorf in Frankfurt a. M. drucken; jetzt besitzt es in Tokio eine Staats- und Geldpapier-Fabrik. Die Gebäulichkeiten, von einem französischen Architekten in Backsteinen aufgeführt, bestehen in einem grossen Vordergebäude mit zwei Flügeln und in mehreren Hintergebäuden. Das Institut ist mit dem vorzüglichsten Material und vortrefflichen Maschinen, grösstenteils von König & Bauer, ausgerüstet und arbeitet mit einem fast ausschliesslich einheimischen Personal, von Männern sowohl als von Frauen.

Die erste mechanische Papierfabrik nach europäischer Art wurde 1875 in Tokio eingerichtet. Das Gebäude ist aus Ziegelsteinen aufgeführt, misst 225 englische Fuss in der Länge, 106 Fuss in der Breite. Der Maschinensaal ist 130 Fuss lang, 32 Fuss breit, die Maschine selbst nach dem System Fourdrinier hat eine Länge von 76 Fuss. Durch zwei Zentrifugalpumpen können pro Minute bis zu 1600 Gallonen Wasser auf einen Turm von 26 Fuss Höhe, wo die Wasserreservoirs der Fabrik sich befinden, hinaufgepumpt werden. Die Beleuchtung geschieht durch selbstfabriziertes Gas. Es werden seitens der japanesischen Regierung grosse Anstrengungen gemacht, um den Verkauf des Fabrikats am Londoner Markt zu fördern, doch findet man es dort zu teuer.

Australien.

Australien hat den Engländern die Bekanntschaft mit der Kunst Gutenbergs zu verdanken. In Sidney entstand 1802 die erste Presse, deren Begründer ein Creole, George Howe, war. Der Durst nach politischen Nachrichten und öffentlichen Mitteilungen rief 1803 die erste Zeitung hervor, der bald andere folgten. Die Zügellosigkeit der Presse veranlasste ein sehr strenges Pressgesetz von 1827, das jedoch später aufgehoben wurde. Hobarttown auf Vandiemensland (Tasmanien) erhielt 1818 eine Druckwerkstätte.

Seit der Zeit haben sich die Verhältnisse sehr günstig für die Kunst in Australien gestaltet. In dem jungen aufblühenden Lande mit einer energischen, vorwärtsstrebenden Bevölkerung eröffneten sich für die Zeitungspresse die schönsten Aussichten. Sie ist denn auch in Australien in einem gewaltigen Vorwärtsschreiten begriffen und Zeitungen wie The South Australian Register in Adelaide, Argus und Age in Melbourne, Morning-Herald in Sidney nehmen es mit grossen englischen und amerikanischen Zeitungen auf, selbst in Bezug auf den Umfang der telegraphischen Korrespondenz. Jede kleine Stadt besitzt eine Zeitung oder doch ein Wochenblatt. Bei einer Bevölkerung von nur 2500000 Menschen hatte Australien 478 Zeitungen, davon in der Kolonie Victoria 151, in Neu-Süd-Wales 118, in Süd-Australien 46, in Queensland 48, auf Neu-Seeland 114, auf Tasmanien 12, in Westaustralien 3. Sie sind fast alle in englischer Sprache; die deutsche ist fast gar nicht vertreten. Die Ausstattung der Druckereien daselbst ist eine entsprechende. Die Setzer sind vorzugsweise Europäer, das Lehrlingswesen liegt im Argen.