H. Greeley * 3. Febr. 1811, † 29. Nov. 1872.
Überhaupt erreichte die von Horace Greeley im Verein mit gleichgesinnten Mitarbeitern 1841 gegründete Tribune[74] eine hohe Bedeutung. Horace Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater beim Holzfällen; jedoch seine Liebe zu den Büchern erweckte den Wunsch in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen bösen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tüchtigkeit ward es ihm sehr schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu, namentlich weil er gar zu wenig auf sein Äusseres gab. Endlich fand er in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermögen, wünschte Teilnehmer für ein Blatt, die „Morgenpost“, und veranlasste Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwärts; Story starb und Greeley nahm einen anderen Associé, Winchester. Auch eine zweite Zeitschrift, der „New-Yorker“, an dem Greeley gearbeitet hatte, ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, gründete nun selbst 1841 die Tribune. Die Anfänge waren klein. Greeley war die Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten zugreifend, dann, wenn nötig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Gründer, die mit ihrer Arbeit — denn über ein anderes Kapital hatten sie nicht zu verfügen gehabt — beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der Tagesausgabe druckte man eine halbwöchentliche und eine wöchentliche, zusammen in ungefähr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft die Übernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch später auf dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer Bronce-Kolossalbüste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs geschmückt.
G. W. Childs.
Bedeutenden Einfluss übte auch The Public Ledger George W. Childs'. Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjähriger Bursche nach New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grössten Fleiss, verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen in einem Winkel des Gebäudes des Public Ledger ein kleines Geschäft an, jedoch mit dem Vorsatz: „das muss alles einmal mir gehören“. Childs wurde Teilhaber einer respektablen Buchhändlerfirma R. E. Peterson & Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen.
Inzwischen war es mit dem angesehenen Ledger rückwärtsgegangen. Es bestand als Penny-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten nicht den Mut, diesen Preis zu erhöhen, obwohl er unter den indes eingetretenen Valuta-Verhältnissen ein völlig unhaltbarer geworden war. Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jährlich an 150000 Dollars. Unter diesen Verhältnissen kaufte Childs das Blatt für eine Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig überschritt, stellte den Preis auf zwei Pence und erhöhte entsprechend den Inseratenpreis. Anfänglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das Gefühl bei denselben, den alten bewährten Freund nicht entbehren zu können, und die Sache ging wieder vorwärts. Nun war Childs ein gemachter Mann und der Ledger[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann, welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder führt, ebensowenig das Recht hat, Schmähnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trägt, befugt ist, nach Belieben zu tödten oder zu verwunden, um seinen Launen oder boshaften Gesinnungen zu fröhnen. Sogar über die Anzeigen wachte er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische, für die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs sorgte auch stets in grossartigster Weise für die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter.
Es ist nicht möglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle näher zu charakterisieren und ihre Offizinen ausführlich zu beschreiben, die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B. die Offizin der Chicago Times, die in einem aus weissen Sandsteinen erbauten, palastähnlichen Eckgebäude mit zwei Fronten von je 80 Fuss ein Erdgeschoss und fünf Stockwerke einnimmt. Überhaupt würden solche Äusserlichkeiten an und für sich keine Bedeutung für die Geschichte der Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist.
Auch unter den Wochenblättern erheben einige stolz ihre Häupter über das Gewöhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die Familie Harper obenan[77].
John Harper * 22. Jan. 1797, † 22. April 1875.
Der Gründer derselben, John Harper, stammt aus Newtown (Rhode Island). Sein Bruder James und er waren in New-York in einer Buchdruckerei beschäftigt und zählten mit zu den tüchtigsten Arbeitern, James als Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 gründeten die Brüder eine kleine Buchdruckerei unter der Firma J. & J. Harper. Durch Promptheit erwarben sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brüder, Joseph Wesley Harper und Fletcher Harper, als Teilnehmer dazu und die Firma wurde Harper Brothers. Die vier Brüder waren alle sehr verschiedenen Charakters, ergänzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist Harper? und wer sind die Brüder? so konnte man nur antworten: „irgend einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brüder“. Gerade in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im Jahre 1850 begannen sie Harpers Monthly, dessen Aufnahme eine so ausserordentlich günstige war, dass sie 1857 Harpers Weekly und 1867 Harpers Bazar folgen liessen.