Jetzt, wo die deutschen Klassiker zu fabelhaft billigen Preisen aus Deutschland eingeführt werden können, lohnt der Nachdruck derselben nicht mehr und dieser beschränkt sich fast nur auf Benutzung der Erzeugnisse neuerer Belletristen für die Feuilletons. Konkurrenz und Sitte haben jedoch zur Folge gehabt, dass jetzt hierfür öfters Honorare gezahlt werden. Es ist vieles über den Nachteil und das Unmoralische des amerikanischen Nachdrucks geschrieben worden, jedoch alle mit den dortigen Verhältnissen näher bekannten Sachverständigen sind der Ansicht, dass „seinerzeit“ der Nachdruck eine nötige Stütze des deutschen Elements und ein Mittel für die jetzige Verbreitung deutscher Originaldrucke war. „Es ist“, so sagt z. B. Friedrich Kapp, „eine mehr als naive Erwartung, dass eine Bevölkerung, die von der Heimat geschieden ist, noch jenseit des Ozeans Gesetze beobachten soll, welche den Bildungsinteressen der Ausgewanderten hemmend in den Weg treten. Sich hier dem Monopole deutscher Buchhändler unterwerfen, hiesse, die Mittel der geistigen Fortbildung und Entwickelung mutwillig von sich schleudern.“ Als der deutsche Buchhandel in Amerika infolge der Bildungslust festen Fuss gewann und die Bücher gleich zu haben waren, kaufte man lieber die schöneren und korrekteren Originalausgaben als die Nachdrucke, die vor allem der Ungeneigtheit deutscher Verleger, billige Ausgaben für den amerikanischen Markt zu drucken und der Unmöglichkeit, die Originale schnell zu erhalten, ihr Dasein verdankten.
Die Papierfabrikation.
Dass unter den geschilderten Druckverhältnissen der Papierverbrauch ein kolossaler sein muss, leuchtet ein. Die Fabrikation[81] reicht bis auf das Jahr 1680 hinauf. Die eigentlichen Fortschritte datieren jedoch erst aus diesem Jahrhundert. Zur Verwendung kommt fast nur Baumwolle. 1860 hatte Amerika etwa 700 Fabriken, welche gegen 300 Millionen Pfund zu einem Werte von etwa 200 Millionen Mark produzierten. Die Zahl der Fabriken beträgt jetzt über 1000. Während im Jahre 1869 der Wert der Einfuhr 527465 Dollars, der der Ausfuhr nur 3777 Dollars betrug, hat sich das Blatt in zehn Jahren vollständig gewendet und Amerika führte 1880 für 1018318 Dollars aus und nur für 135487 Dollars ein.
Die Einfuhr aller zum Pressgewerbe gehörenden Materialien und Maschinen ist überhaupt eine durch die Zölle so schwer belastete, dass sie nicht von Belang sein kann, während sich die Ausfuhr nach Europa sowohl als auch nach Asien und Australien in einer Weise vermehrt, welche der englischen Konkurrenz Bedenken einflösst. Der Wert der nach Amerika eingeführten deutschen Bücher und Kunstsachen beträgt etwa vier Millionen Mark jährlich.
Fußnoten:
[73] E. Steiger, The periodical litterature of the United States. New-York 1873. — G. P. Rowell, The man who advertise. New-York 1870. — A. Maverik, H. J. Raymond and the New-York Press. Hartford, U. S., 1870. — M. Cucheval-Clavigny, Histoire de la Presse en Angleterre et aux États Unis. Paris 1857. — Die Angaben über den heutigen Bestand sind von einem erfahrenen Verleger Amerikas, M. North.
[74] Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 6.
[75] James Parton, The life of Horace Greeley. New-York 1855.
[76] Eugen Munday, Historical sketch of the public Ledger. Philadelphia 1870. — James Parton, George W. Childs. Philadelphia 1870. — Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 4.