Der erste, der dort geschäftlich kräftig eingriff, war der Deutsch-Amerikaner Heinrich Ludwig (geb. 1804). Er etablierte sich 1832, importierte anfänglich hauptsächlich Schul- und Erbauungsbücher und fing 1834 selbst zu drucken an. Er lebte bis 1877, hochgeachtet wennauch geschäftlich längst durch neuere Etablissements überflügelt.
New-Yorker Staatszeitung.
Bereits 1835 wurde die deutsche New-Yorker Staatszeitung unter sehr bescheidenen Verhältnissen ins Leben gerufen, sie sollte sich aber bald zu einer der bedeutendsten Zeitungen Amerikas hinaufarbeiten. Keine Zeitung Deutschlands und kaum eine Nordamerikas dürfte fürstlicher untergebracht sein, als die Staatszeitung in ihrem 1873 im Printinghouse-Square in New-York bezogenen Palast. Derselbe ist mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Mark, nicht gerechnet eine Million für Grund und Boden, in Renaissancestil aufgeführt. Der Unterbau und der erste Stock sind aus schwarzem Granit, die übrigen Stockwerke aus hellem Granit. Ein Mansardendach von entsprechender Höhe krönt das ganze. Die eisernen Dachbalken sind mit eisernen Platten bedeckt; die Scheidewände sind ebenfalls aus Eisenplatten. Die Comptoirlokalitäten in Renaissancestil sind reich mit Schnitzwerk geschmückt und die Eleganz der Beleuchtungsapparate, der Marmortische und der Mosaikfussböden entspricht dem übrigen. Allerdings Äusserlichkeiten, aber welche Macht hat eine solche Zeitung erlangt, um sich derartige Äusserlichkeiten schaffen zu können.
Nach und nach entstanden viele deutsche Blätter, welche, obwohl anfänglich schwach, an Mängeln aller Art leidend und sich christlich von Raub nährend, doch den Boden für die weitere Pflege der deutschen Litteratur bearbeiteten. Im Verlauf der letzten 30 Jahre hat jedoch die deutsche Zeitungspresse, die über 500 Organe zählt, sehr an Bedeutung zugenommen und nicht wenige der Blätter können sich mit den besten deutschen Zeitungen messen.
Verschiedene deutsche Buchhändler.
Einen wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung der deutschen Litteratur übte der Berliner Wilhelm Radde (geb. 1800), der 1834 eine deutsche Buchhandlung in New-York gründete, viele Werke für die Bedürfnisse der Gelehrten einführte und sich daneben auch in billigen Nachdrucks-Ausgaben der Klassiker versuchte. Jedoch waren diese noch verfrüht und wollten damals noch nicht „ziehen“. Ein Buchhändler schrieb an Radde: »Ich gebrauche umgehend folgende „echte« Klassiker gegen bar: 100 Schinderhannes, 100 heilige Genoveva, 100 bayrische Hiesel, 100 Eulenspiegel. Grössere Bestellungen werden nachfolgen“. Radde liess sich dies nicht zweimal sagen, er veranlasste jedoch 1853 die Cottasche Buchhandlung, namentlich um den Nachdrucken des W. Thomas entgegenzutreten, von ihren „unechten“ Klassikern sehr gute und billige Konkurrenz-Ausgaben zu veranstalten; selbst Werke wie Humboldts „Kosmos“ und dessen „Ansichten der Natur“ erschienen in solchen. Andere Verleger wollten von dieser Konkurrenz gegen sich selbst nichts wissen und Campe in Hamburg sah z. B. ruhig zu, wie eine Ausgabe von Heine nach der andern dort gedruckt wurde. In dieser Weise drangen viele tausend Bände der besten Werke selbst in die unter bescheidenen Verhältnissen lebenden deutschen Familien und stärkten die geistige Verbindung mit dem Mutterlande.
Im Jahre 1845 hatten deutsche Verleger sich mit dem Plane beschäftigt, auf Aktien eine bedeutende deutsche Buchhandlung in Amerika zu errichten. Rudolph Garrigues, ein junger gebildeter Buchhändler aus Kopenhagen, wurde nach Amerika entsendet, um das Terrain zu sondieren. Garrigues' klarer Bericht fand allgemeinen Beifall, als es indes zum Zeichnen der Aktien kam, schreckte der deutsche Buchhandel vor einem mässigen Kapital von 30000 Thalern zurück. Sonderinteressen machten sich, wie gewöhnlich, geltend, und die Sache verlief im Sande. Garrigues etablierte sich nun selbst mit einem tüchtigen deutschen Buchhändler, F. W. Christern. Später folgten Jul. Helmich, L. W. Schmidt, G. & B. (jetzt W. & C.) Westermann Brothers; das Bibliographische Institut in Hildburghausen legte eine Filiale in New-York an; Fr. Gerhard druckte ein sehr gutes deutsch-amerikanisches Konversations-Lexikon; Schäfer & Koradi in Philadelphia wurden bedeutend als Sortimenter wie als Verleger. Leupoldts Verdienste sind schon erwähnt.
E. Steiger.
Gross ist die Wirksamkeit Ernst Steigers in New-York, als Sortimenter sowohl, wie als Verleger und Drucker, gewesen. Steiger, aus Oschatz in Sachsen gebürtig, bildete sich als Buchhändler in Leipzig aus und arbeitete elf Jahre bei Westermann in New-York. Er erwarb eine kleine deutsche Buchhandlung mit Zeitungsgeschäft und fing dann Buchdruckerei und Verlag von Schulbüchern an, allerdings zuerst in Nachdrucken. Durch ungemeines Verbreiten seiner zumteil sehr umfangreichen Kataloge wirkte er sowohl im eigenen Interesse, wie in dem der deutschen Verleger. Eine verdienstliche bibliographische Leistung ist Steigers The Periodical Literature of the United States of America with Index and Appendices. 1873. Auch erwarb sich Steiger das Verdienst, für die Wiener Weltausstellung 1873 eine Probe-Kollektion von je einer Nummer von 6209 amerikanischen Zeitungen in 119 Foliobänden fertiggestellt zu haben, die er nachher der Wiener Hof- und Staatsbibliothek zum Geschenk machte. Von der Bedeutung, welche der Absatz in Amerika für das deutsche Druckgewerbe hat, kann als Beispiel dienen, dass allein Steiger von der „Gartenlaube“ 12000, von der „Illustrirten Zeitung“ 3800, von „Über Land und Meer“ 4000, von der „Romanzeitung“ 3500, von „Daheim“ 3000 und vom „Bazar“ 2500 Exemplare im Jahre 1871 verbreitete. Auch im Westen und Süden der Vereinigten Staaten entstanden deutsche Buchhandlungen, so Theobald & Theuerkauf in Cincinnati, L. C. Witter in St. Louis.
Der Nachdruck.