Für die medizinische Litteratur haben Will. Woods & Co. in New-York grosse Bedeutung. In ihrem Verlage erschien u. a. Ziemssens Encyklopädie der praktischen Medizin, 17 Bände. Die Orange Judd Company pflegt mit grossem Nachdruck die Landwirtschaft und die Architektur; Boericke & Tafel sind speziell Verleger homöopathischer Werke.

L. Prang * 12. März 1827.

Es war natürlich, dass in einem Lande mit einem grossen, noch nicht auf der höchsten Stufe der Bildung stehenden Publikum der Bilderdruck ein gutes Feld finden musste und Amerika wurde der stärkste Konsument der einschlägigen deutschen Produkte. Amerika selbst besitzt eine hervorragende chromolithographische Anstalt, die von L. Prang & Co. in Boston. Ludwig Prang ist ein Deutscher und wurde in Breslau geboren, wo sein Vater als Formenschneider in einer Kattundruckerei arbeitete. Dieser war ein in vielen Sachen unterrichteter Mann und schwang sich zum Teilnehmer der Fabrik empor. Unter seiner Anleitung erhielt der Sohn die ersten künstlerischen Anregungen. Nach fünf wechselvollen Ausbildungsjahren wurde Prang von dem Strudel der deutschen Revolution mit fortgerissen, musste nach der Schweiz flüchten und ging von dort nach Nordamerika, wo er sich in verschiedenen Geschäften ohne Glück versuchte. Schliesslich warf er sich mit aller Energie auf die Holzschneidekunst und wurde bald einer der tüchtigsten Xylographen Amerikas, ruinierte jedoch seine Gesundheit, so dass er einen andern Beruf wählen musste.

Prang wendete sich nun der Lithographie zu und etablierte sich mit einem tüchtigen Freunde, der aber ebensowenig, wie er selbst, Vermögen besass. Sie setzten jedoch ihr Vorhaben, eine Anstalt für Farbendruck zu errichten, durch und debutierten mit einem Rosenbouquet in vier Farben, das, obwohl keineswegs vollendet, doch sehr gefiel. Die Assoziation löste sich 1860. Durch den Sezessionskrieg wurde Prang vielfach von seinen Plänen abgelenkt, gewann aber durch Kartenarbeiten Mittel, um auf jene zurückzukommen. Im Jahre 1865 erschienen die ersten Nachbildungen von Gemälden, zwei amerikanische Landschaften nach Beiker. Der Erfolg war jedoch kein ermutigender und Prangs Freunde rieten ihm, sein Vorhaben aufzugeben. Jedoch ein kleines Bild — eben aus den Eiern ausgekrochene Küchlein — von Tait gab den Ausschlag. Es wurde nicht nur in enormen Massen verkauft, sondern riss auch die liegengebliebenen Landschaften mit fort, und öffnete die Wege für die Millionen von Chromos — diese Bezeichnung führte Prang ein —, welche in Amerika gedruckt oder von Europa importiert wurden. Prangs Erzeugnisse machten dagegen die Rundreise in Europa und fanden allgemeine Anerkennung.

In Verbindung mit John S. Clark, von der Firma Osgood & Co., führte Prang eine Reihe von Unternehmungen, zu Unterrichts- und künstlerischen Ausbildungszwecken bestimmt, durch und leistete hierin vorzügliches.


Das deutsche Element.

Den Einfluss des Deutschen Elements auf das Buchgewerbe in Nordamerika zu verfolgen ist von ganz besonderem Interesse[80]. In dem Aufschwung desselben, welcher sich in der vorigen Periode (I, S. 273) kundgab, sollte bald ein Rückschlag eintreten. Zur Zeit der Befreiungskämpfe Amerikas, sowie später der französischen Revolutionskriege und der Gewaltherrschaft Napoleons, 1775 bis 1815, hatte die deutsche Einwanderung fast aufgehört, und als sie wieder anfing, bestand der Zufluss fast nur aus Leuten, die des fehlenden täglichen Brotes wegen die Heimat verlassen und keiner geistigen Nahrung bedurften, viel weniger selbstthätig das geistige Element kräftigen konnten. Die wenigen begabten Männer unter ihnen schlossen sich mehr dem englischen Element an.

Erste Druckthätigkeit der Deutschen.

Unter solchen Verhältnissen beschränkte sich die deutsche Druckthätigkeit auf die Herstellung einiger deutscher Schul- und Gebetbücher, sowie Kalender, welche man immer noch hauptsächlich den wenigen deutschen Pressen Philadelphias verdankte. Dies änderte sich erst mit dem politischen Aufschwung in Deutschland in den dreissiger Jahren und mit der darauf folgenden Sturm- und Drangperiode von 1848 nebst der Zeit der Nachwehen der Reaktion. Unter den von 1830–1870 aus Deutschland eingewanderten zwei und eine halbe Millionen befand sich eine nicht geringe Zahl von Männern, die den gebildeten Ständen angehörten, welche geistige Bedürfnisse hatten, zumteil in der Lage waren, diejenigen anderer zu befriedigen. Hiermit begann die eigentliche Entwickelung des deutschen Buchhandels und Druckgewerbes in dem Emporium New-York.