Das bis dahin einzig praktische Stereotyp-Verfahren, das Stanhopesche, fand natürlich auch in Frankreich Eingang. Eine namentlich für das Giessen von Clichés weit bequemere Methode erfand der Franzose Daulé, der nicht die Matrize in die flüssige Schriftmasse versenkte, sondern sie zwischen zwei eiserne Platten mit erhöhten Rändern einlegte, die einen flachen Giesskasten bildeten, in welchen der Zeug mittels des Giesslöffels eingegossen wurde.
Genous Papierstereotypie.
Eine sehr grosse Bedeutung gewann die Papierstereotypie des Setzers Genou. Anfänglich mit Misstrauen empfangen, hat sie sich später besonders für Schriftstereotypie vortrefflich bewährt und ist für die Einführung der Rotationsmaschinen ein unbedingtes Erfordernis geworden.
Die Mater wird aus einer Anzahl von Blättern, teils Seiden-, teils stärkeren Papiers, gebildet, die einzeln, mit einer breiartigen Klebemasse angestrichen, aufeinandergelegt werden, bis sie die Stärke eines festen Kartons erreicht haben. Durch Klopfen mit einer langstieligen Bürste wird die Schriftkolumne in die weiche Papiermasse eingeprägt und die Mater dann unter mässigem Druck und bei gelinder Wärme in der Trockenpresse getrocknet. Der Guss geschieht in einem Apparat wie der Daulésche.
Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt nicht allein in der Billigkeit und der Leichtigkeit der Herstellung, sondern gründet sich auch darauf, dass eine und dieselbe Mater für den Guss mehrerer Platten benutzt werden kann und dass man die Matern nach dem Guss, oder ohne überhaupt einen solchen vorzunehmen, für den späteren Gebrauch mit Leichtigkeit aufheben kann. Auch ist ein hoher Ausschluss nicht notwendig. Der ganze Apparat ist ein so einfacher, dass selbst eine kleine Druckerei mit Vorteil einen solchen anschaffen kann. In neuester Zeit ist noch ein Verfahren eingeführt, um die Matern rasch und ohne Ofenwärme zu trocknen, was für die Schonung der Schrift, mehr noch für die der Holzschnitte, von Bedeutung ist.
Jannins Celluloïd-Cliché.
Von einschneidender Wichtigkeit scheint die Erfindung der Celluloïd-Clichés zu werden; doch ist die Methode noch zu neu, um ein bestimmtes Urteil, namentlich über die Tragweite des Nachteils der leichten Entzündbarkeit, dieser Clichés zu fällen.
Der Bildhauer Jannin in Paris war auf den Gedanken gekommen, das Celluloïd, eine durch chemische Behandlung von Faserstoff hergestellte Masse von ausserordentlicher Härte, ausserdem, nach erfolgter Erwärmung, von grosser Biegsamkeit, ausser zu verschiedenen plastischen Arbeiten zu Clichés für typographische Zwecke zu benutzen.
Um dieses zu können, war es jedoch notwendig, eine entsprechende Masse für die Mater zu schaffen, die den bei der Herstellung des Celluloïd-Clichés notwendigen Druck unter Erhitzung vertragen konnte. Eine solche Masse wurde in einem aus Bleiglätte und Glycerin bestehenden Knetstoff gefunden. Derselbe wird in halbflüssigem Zustande über den zu clichierenden Gegenstand sorgsam gestrichen, in derselben Weise, wie der Gips bei der gewöhnlichen Stereotypie, und die Lage bis zu einer Dicke von 3–5 mm verstärkt. Ist die Mater unter einem mässigen Druck erhärtet, was bei Holzschnitten in 15–20 Minuten, bei Metall-Originalen, wo Erwärmung anwendbar ist, in drei bis vier Minuten der Fall ist, kann sie sofort zur Herstellung eines Clichés verwendet werden, zu welchem Behuf sie in eine hydraulische Presse gelegt und mit einer durch Erwärmung schmiegsam gemachten Celluloïd-Platte bedeckt wird. Unter Erhitzung der Presse, der Mater und der Platte bis auf 120°C. wird ein Druck von 120–130 Atmosphären ausgeübt, darauf das ganze durch einen Strom von kaltem Wasser abgekühlt. Nach vollständiger Erkaltung der Platte löst sich selbe, ohne vorhergegangene Einreibung des Originals mit Graphit oder Öl, mit Leichtigkeit ab und kann sofort zum Druck aufgenagelt werden. Fehler können, wie bei Stereotyp-Platten, durch Einsetzung eines Pflocks von Celluloïd und Nacharbeiten desselben mit dem Stichel ausgebessert werden. Da die Platte durch keine Säuren oder Farbenzusammensetzungen angegriffen wird, so ist sie ganz besonders zum Druck von bunten Farben geeignet.
V. Haye und der Blindendruck.