„Wir sind hier im Tale nicht verwöhnt,“ meinte das Eisen. „Hier geschieht nie etwas Besonderes. Erzähl’ nur darauf los!“
„Auch ich,“ begann der vierte Dukaten, „habe natürlich viele Besitzer gehabt. Es ist nun mal unser Los, von Hand zu Hand zu gehen, wie schon meine verehrten Kollegen ganz richtig bemerkten. Wir können keinen Widerstand leisten; und wir können natürlich nicht im geringsten die Verantwortung übernehmen für das, was unsre Besitzer mit uns beginnen. Heute können wir in der Tasche eines ehrlichen Mannes liegen, und morgen in der eines Diebes. Das einemal kauft man Branntwein für uns, das andremal Rosen. Man fügt sich in sein Schicksal, ohne darum schlechter zu sein. Der Dukaten verliert seinen Wert nie, durch wessen Hände er auch gehen mag. Aber wenn sich das auch so verhält, so müßt ihr darum nicht glauben, daß ich ohne Gefühl bin. Auch ein Dukaten hat ein Herz wie andere Leute, und nicht alle unsre Herren sind uns gleich lieb. Von dem einen trennen wir uns betrübt, von dem andern mit Freuden. Die einen vergessen wir nie, die andern beachten wir kaum.“
„Das wäre also die Einleitung,“ rief das Silber. „Nun laß uns die Geschichte hören!“
„Unter allen meinen Besitzern,“ begann der vierte Dukaten, „war mir der liebste —“. Weiter aber sollte er nicht kommen in seiner Geschichte, denn der Adler unterbrach ihn von seiner Zinne mit dem Rufe:
„Da kommen Menschen!“
Ein Beben ging durch das öde Land.
Was für Menschen waren das, die da kamen? Und was wollten sie... Würde es gehen wie das letztemal, wo sie alles aufwühlten und niedertraten und dann wieder fortzogen und das Land öder und trauriger zurückließen, als es je gewesen? Oder kamen sie, um hier zu bleiben und im Lande zu wohnen und bessere Zeiten zu schaffen? Die Menschen könnten ja alles, pflegte der Adler zu sagen.
Jedenfalls war es vorbei mit dem Geschichtenerzählen der Dukaten. Weder die Schicksale des vierten noch des fünften Dukaten kamen je zu Ohren der andern Metalle und des Adlers und des Stiefmütterchens. Sie hatten ja nun alle andere Dinge im Kopfe.
„Die Menschen kommen natürlich, um die fünf Dukaten zu holen,“ sagte der Adler höhnisch. „Sie laufen bis ans Ende der Welt, um ein Stück Gold zu bekommen.“
Aber diesmal irrte sich der Adler.