Hoch oben in Norwegen an einem breiten Fjord liegt ein kleines Fischerdorf. Die Häuser sind nur aus Holz und winzig und ärmlich. Auch die kleine Kirche ist aus Holz und hat keinen Turm. Dann ist da noch das Haus, in dem der Kaufmann wohnt, und das Haus des Doktors und das niedrige alte Pfarrhaus, und sonst nichts als Fischerhütten.

Felder sind nicht vorhanden. Rings sieht man nur nackte Felsen und dann den Fjord und dahinter das weite Meer. Am Strande sind die Boote in der Regel aufs Land gezogen, damit die See sie nicht forttreibt. Alle Bewohner des Dörfchens leben vom Fischfang, und wenn der Ertrag ausbleibt, dann herrscht Jammer und Elend.

In dem Jahre, in dem diese Geschichte beginnt, mußte man sehr lange auf den Hering warten.

„Kommt der Hering nicht, dann müssen wir verhungern,“ sagte die älteste Fischerfrau. „Ich bin nun zweiundsiebzig Jahre alt geworden, und noch nie ist es passiert, daß der Sommerhering so spät im August noch nicht da war. Niemand von uns hat ja noch Brot im Hause.“

Der Kaufmann betrachtete traurig die vielen, vielen Tonnen Salz, die er zum Einsalzen der Heringe gekauft hatte. Und er sah in seinen Büchern noch, wieviel Kredit er den Fischern gegeben hatte, und wurde noch trauriger.

„Kommt der Hering nicht, so mache ich Bankrott,“ sagte er.

„Kommt der Hering nicht, so reisen wir nach Amerika,“ sagten die jungen Fischer.