Aber als auf diese Art ein halbes Jahr verstrichen war, da meinte der kleine Hering, er sei nun so groß geworden, daß er etwas anderes tun könne, als immer und immer fressen.

„Das Essen schmeckt mir nicht mehr recht,“ sagte er.

„Das kommt bloß daher, weil du satt bist,“ erklärte der Alte. „Ich denke auch, daß du jetzt groß genug bist, um Eier zu legen.“

„Wo soll ich das tun?“ fragte der kleine Hering.

„Im Fjord, wo du selber gelegt worden bist,“ erwiderte der Alte. „Ja, ich bin fünfmal da gewesen, so daß ich Bescheid weiß. Aber wir schwimmen erst dorthin, wenn wir dazu angepeitscht werden. Denn es ist eine lebensgefährliche Tour, die man nicht zum Vergnügen macht.“

Sie schwammen und schwammen. Doch da erhob sich ein heftiger Sturm.

„Auf den Grund, auf den Grund und ins Meer hinaus!“ rief der alte Hering. „Schließt euch um mich zusammen. Ich bin der stärkste und schwimme an der Spitze, die größten von euch folgen dicht hinter mir... so dicht ihr könnt, Seite an Seite und Kopf an Schwanz.... Dann sind wir gewissermaßen ein ungeheuer großer Fisch und kommen im Wasser rascher vorwärts.“

Sie taten, was der alte Hering sagte, und der ganze Schwarm zog ins Meer hinaus. Er hielt sich auch möglichst nahe am Boden, solange der Sturm dauerte. Als es aber wieder still wurde und sie emporstiegen, sahen sie einen riesigen Bartenwal ganz ruhig auf dem Wasser liegen.

Da erschraken die Heringe furchtbar. Der kleine Hering befand sich unmittelbar vor dem Schlunde des Wals und konnte sich nicht rühren, so gelähmt war er vor Angst.

„Du brauchst keine Furcht zu haben, mein kleiner Freund,“ sagte der Bartenwal. „Ich kann dich nicht fressen, wenn ich auch möchte. Ich habe keine Zähne, und obwohl ich das größte Tier des Meeres bin, muß ich mich von den allerkleinsten Geschöpfen ernähren, die im Plankton umhertreiben.“