Nun sah der Buchfink, wie der Dämmerungsfalter sich auf die Blüte setzte und seinen langen Fühler in ihren Kelch hinabsenkte. Und als er all den Honig herausgesogen hatte, der vorhanden war, und mit den Flügeln wippend dasaß, da erscholl von drüben her genau der gleiche Gesang, den die Lichtnelke angestimmt hatte. Der Buchfink sah von drüben eine große weiße Blüte schimmern, und nun flog der Schmetterling hinüber und setzte sich auf sie.
„Lichtnelke,“ sagte der Buchfink. „Erzähl’ mir, wie das eigentlich zusammenhängt mit euch Blumen, Bienen und Schmetterlingen! Ich hab’ heute hier gesessen und alles mitangesehen und angehört, aber ich versteh’ kein Sterbenswörtchen von allem. — Was wollte denn der Dämmerungsfalter von dir?“
„Er hat von mir Honig bekommen,“ erwiderte die Lichtnelke.
„Gut, aber was hat er dir denn dafür gegeben?“
„Er hat meinen Blütenstaub mitgenommen,“ erklärte die Lichtnelke.
Aber der Buchfink schüttelte den Kopf.
„Ja, das mag für den Dämmerungsfalter recht gut und schön sein,“ meinte er. „Er hat das eine gekriegt und hat auch das andere gekriegt. Aber welches Vergnügen hast du denn von der Geschichte?“
„Sieh mal,“ antwortete die Lichtnelke, „jede ordentliche Blume hat zwei große Sorgen in ihrem Leben. Erstens muß sie ihre Samen bekommen, und zweitens muß sie sie wieder loswerden. Das verstehst du doch?“