Der Sturm fuhr mit Geheul nach Norden über die Berge, und es hörte auf zu schneien. Der Fluß trat in sein Bett zurück. Nur hin und wieder hörte man noch ein Knacken im Walde, wenn ein Zweig, der vom Unwetter getroffen war, zu Boden fiel. Sonst war es ganz still.
Und dann begann es zu tauen.
Oft hatte der Schnee in der Sonne geglitzert und war froh darüber gewesen, aber das war eine andere Sonne als die, die jetzt auf ihn herabstarrte. Die Sonne, die jetzt am Himmel dahinwanderte, konnte den Schnee nicht leiden, und der Schnee war ihr nicht hold.
„Was in aller Welt willst du hier?“ fragte die Sonne, immer neugieriger starrend.
Und dem Schnee wurde ganz wunderlich zumut, und er wünschte sich weit fort. Er schmolz oben, so daß große Löcher entstanden, und er schmolz unten, so daß er plötzlich zusammenfiel und fast zu einem Nichts wurde. Überall unter ihm lief das Wasser in Bächen durch den Wald, den Abhang hinab, über die Wiese, in den Fluß hinein, der unverdrossen damit zum Meere strömte. Allerorten standen Wasserpfützen, große und kleine; langsam sickerten sie in die Erde hinab, während der Frost schwand. Aber manchmal mußten sie warten, denn die Erde konnte nicht so viel auf einmal trinken.
Und während es stärker und stärker taute und die Schneeschicht mit jedem Tage dünner wurde, stand der Frühling oben am Waldesrande, beugte sich zur Erde vor und sang:
„Schneeglöckchen keck,
starbst du aus Schreck