Wohin er kam, da teilten sich die Wolken und schwanden nach Ost und West hinter den Hügeln. Der Himmel wurde wieder klar, und die Wassertropfen, die an jedem Zweige und jedem Halme hingen, glänzten in der Sonne. Die Blüten öffneten sich, die Vögel kamen unterm Laub hervor, der Hirsch verließ sein Versteck und tauchte das Maul in das weiche Gras.
Aber als die letzte Wolke verschwunden war und die Sonne den letzten Wassertropfen weggetrocknet hatte, als jede Spur des Unwetters getilgt war, da war es doch nirgendwo so wie vor dem Gewitter im Tal.
Es kamen mehr Blumen und neue Blumen hervor, und ihr Duft war süßer und ihr Glanz größer, wie der Fürst des Sommers es verkündet hatte. Aber es war, als wären alle ernster geworden.
Sie wiegten sich nicht mehr so sorglos auf ihren Stengeln und versandten ihren Duft nicht mehr so verschwenderisch in alle Winde. Aber wenn eine Biene oder ein Schmetterling geflogen kam, reckten alle Blumen den Hals und leuchteten und dufteten doppelt so stark und riefen überlaut ihren Honig aus, damit die Insekten kommen und ihnen den Blütenstaub abnehmen sollten.
Und die Bienen hatten auch nicht so viel Zeit wie in den grünen Tagen des Frühlings. Ihre Königin zu Hause legte Hunderte von Eiern, und sie mußten Wachs ausschwitzen, Kammern bauen und Honig und Blütenstaub holen, daß sie beinahe dabei zugrunde gingen. Und es waren so viele Blumen da, daß sie nicht wußten, wohin sie sich wenden sollten. Im Walde berauschten sie sich an dem süßen Duft der Lindenblüte und des Geißblatts, auf dem Hügelhang flatterten sie geradeswegs in die rote Flamme des Mohns hinein. Keine von ihnen konnte die Blumenkörbe verschmähen, die Distel und Klette, Kamille und Löwenzahn ihnen hinreichten. Kamen sie an die Hecke, so rief der Holunder, wollten sie im Grase ausruhen, so bot die Winde ihnen ihren Kelch mit frischen Tautropfen auf dem Rande und Honig auf dem Grunde dar; flogen sie über den See hin, so lag die Seerose mit ihren weißen und gelben Blütenblättern da und nickte auf den stillen Wassern.
Und wie es den Blumen und Bienen ging, so ging es überall. Nirgendwo war es wie früher.
So viele Triller der Zeisig auch seiner Liebsten vorsang, so zärtlich er auch den Kopf auf die Seite legte, so hitzig er auch mit dem Schnabel nach ihr hackte — sie machte sich nicht das geringste daraus, sondern starrte stumm und ernst vor sich hin.
„Ich denke an das Nest,“ sagte sie schließlich.
„Ja natürlich!“ erwiderte der Zeisig und sah aus, als hätte er die ganze Zeit über an nichts anderes gedacht.