„Schaff’ mehr Frösche herbei, oder ich reise ab,“ schrie der Storch.

Und die Buche klagte, weil die Maikäfer ihre Blätter fraßen, und die Krähen konnten nicht genug Maikäfer kriegen. Die Bienen jammerten über die Blüten, wie die Blüten über die Bienen... sie meinten, es sei zu beschwerlich, des Honigs habhaft zu werden. Der Hase entrann dem Fuchs und fiel dem Adler in die Klauen. Die junge Esche an der Hecke rief den Himmel an um Beistand gegen das Geißblatt, das sie bis zum Wipfel umschlang.

Aber der Sommerfürst stand hoch und strahlend da und überschaute sein Reich. Sein Lächeln war hell, und in seinen starken Augen war kein Mitleid. Er hob die Hand, wie um ihnen Schweigen zu gebieten, aber niemand achtete seiner; der Lärm stieg an mit jeder Stunde, und das Land war voll von Geschrei und Jammer.

Da runzelte er die Brauen und rief die schweren, schwarzen Wolken hinter den Hügeln hervor. Sie kamen auf seinen Wink, die Angst lag wieder über dem Tal, und die Schreie verstummten. Der Donner rollte, daß die Berge erbebten, die Blitze flammten, und der Regen fiel.

Und durch das Unwetter tönte seine gewaltige Stimme:

„Wißt ihr nicht, daß auch ich ein Herr bin, streng wie der Winter, den ihr haßt? Er herrscht über den Tod, wie ich über das Leben. Wie er, verlange ich Gehorsam. Wie er zerschmettere ich den, der sich mir in den Weg stellt.

„Ihr habt mich für einen Spielmann gehalten wie den Frühling, der euch zum Leben und zur Sehnsucht erweckte und über die Berge davonging. Aber ich bin größer als der Frühling, denn ich habe eurer Sehnsucht Brot gegeben und euch dem Gesetz des Lebens unterworfen.

„Aber das Gesetz besteht darin, daß das Gesunde bestehen bleiben, das Kranke aber sterben soll.

„Darum habe ich meine Tage so lang gemacht, daß ihr grünen und wachsen sollt. Darum hab’ ich euch Macht und tausendfältige Kräfte gegeben, der kleinsten Mücke, wie dem größten Baum im Walde, damit ihr kämpfen und wachsen sollt. Und darum habe ich euch Kinder gegeben, damit ihr niemals sterben sollt.

„Und auf den, der dem Gesetz gehorcht und den Tag ausnutzt, liegt die Sonne meines Auges. Seine Kraft soll herrschen, und seine Kinder sollen seinen Namen durch die Zeiten tragen.