„Aber der, der versagt, muß sterben.“
Der Sommer schwieg, und der Donner rollte langsam über die Berge hin. Die Wolken trennten sich voneinander und schwanden; freundlich und klar leuchteten die Sterne, und von den Bäumen tropfte es herab, sonst war alles still.
Aber am nächsten Morgen erwachte das Tal zu wilderem Kampf und stärkerem Geschrei als zuvor.
Denn es war kein Vogel im Wald und keine Blume auf der Wiese, die nicht gehört und verstanden hatten, was der Fürst des Sommers sagte. Sie alle wußten, worauf es ankam, und rüsteten sich, bevor die Sonne aufging, zum Kampf ums Dasein.
Doppelt eifrig jagten der Zeisig und seine Frau im Gebüsch, doppelt fleißig gruben die braunen Mäuslein, doppelt stark leuchteten und dufteten die Blumen. Frau Maulwurf durchwühlte die Erde die kreuz und quer. Der Hirsch fand eine Wiese, auf der das Gras hoch und grün war. Die Buche trieb neue Zweige an Stelle derer, die die Maikäfer gefressen hatten, und die Esche streckte ihre Zweige durch das Geißblatt hindurch, um dem Sommer zu zeigen, daß sie am Leben sei.
Tausende starben, aber niemand hörte ihren Todesseufzer bei dem Lärm, den der Kampf der Lebenden mit sich brachte. Und es war, als ob immer mehr Leben entstände, sobald ein Leben erlosch.
Die jungen Zeisige hüpften aus dem Nest, fielen vom Zweig herab und flatterten wieder hinauf. Die Krähenkinder schrien in den Wipfeln, und die jungen Adler flogen vom Felsen herab, um ihre Flügel auszuprobieren. Der Star jagte die erste Brut aus dem Nest und legte nochmals Eier, der Frosch erlebte es, seine mißgestalteten Jungen in anständiger Verfassung zu sehen, bevor er vom Storch verspeist wurde.
Nie waren die Fische im Fluß so zahlreich, die Blätter der Buche so breit, das Gesträuch so dicht gewesen, nie hatten so viele Blumen an der Hecke gestanden.
Und der Sommer stand mitten in seinem Reich, groß, rank und strahlend.
„So ist es gut!“ sagte er.