„Guten Morgen,“ sagte der Buchfink, der schon sein Morgenlied vorm Zweige seiner Liebsten gesungen hatte. „Du siehst mir nicht gerade rosig gelaunt aus, alter Freund.“
„Ja,“ klagte die Ameise, „ich hab’ gestern so fürchterliche Prügel von der Königin bekommen. Hätte ich mich nicht tief im Hügel versteckt, so glaube ich, daß Ihre Majestät mich totgeschlagen hätte.“
„Ich habe es wohl gesehn. Aber was war denn das auch für ein fürchterlicher Unsinn, den du der Königin erzählt hast! Du hast ihr ja weismachen wollen, die Ameisen seien die vornehmsten Tiere in der ganzen Welt, und alles sei nur um ihretwillen geschaffen.“
„Ich habe die reine Wahrheit gesagt,“ beteuerte die Ameise. „Und die bleibt bestehen, auch wenn es Ihrer Majestät beliebt, mich zu mißhandeln.“
„Du bist verrückt!“ sagte der Buchfink. „Der ganze Wald lacht über dich!“
„Lacht ihr nur! Was macht das, wenn ihr sonst nur euer Tagewerk verrichtet, uns zum Nutzen und zur Freude!“
„Nun redest du wieder ebenso verrücktes Zeug wie gestern.“
„Hör’ einmal, Freundchen. Ich will versuchen, es dir zu erklären, wie die Sache zusammenhängt. Die Königin schläft immer lange und gut, wenn sie jemand geprügelt hat, darum hab’ ich Zeit zu einem kleinen Morgenklatsch. Um so mehr, da sie noch nicht angefangen hat, Eier zu legen. Sind wir erst so weit, dann pfeift’s aus einem andern Loch.“
„Genau wie bei uns,“ bestätigte der Buchfink. „Erzähl’ nur. Wir kennen dich ja als braven Burschen. Und es würde uns nur freuen, wenn du auf deine alten Tage nicht ganz einfältig geworden bist.“