„Allerdings kann ich das!“ erwiderte die Ameise. „Falls ihr noch nicht genug haben solltet.“

„Ob wir genug haben!“ sagte der Buchfink. „Aber willst du nun nicht so gut sein, uns zu erzählen, warum die Ameisen besser sind als wir?“

„Die Ameisen,“ erklärte die Alte, kreuzte dabei die Kinnbacken und blickte ernst vor sich hin, „die Ameisen sind das Meisterwerk unsres Herrgotts.“

Alle lachten, aber die Alte ließ sich nicht stören.

„Seht ihr,“ sagte sie. „Eine Ameise ist eigentlich gar nichts.“

„Nun fängst du an, vernünftig zu werden,“ meinte der Buchfink.

„Die einzelne Ameise ist gar nichts,“ sagte die Alte. „Sie hat ihren Platz im Ameisenstaat; und wenn sie stirbt, tritt sofort eine andre an ihre Stelle. Jede einzelne von uns hat ihr Amt, und wir alle arbeiten zum Besten des Ameisenstaates und zum Wohle der Bürger. Wer arbeitet, verdient sein täglich Brot und bekommt es. Den, der nicht arbeitet, schlagen wir kurzerhand tot.“

„Dann seid ihr euch also alle gleich?“ fragte der Waldmeister.

„Keineswegs. Wir dösen bloß nicht so einzeln herum wie ihr, ohne Ziel und Sinn. Darum verschwinden wir auch nicht aus der Welt und stehen nicht hilflos da wie ihr. Wir haben erstens unsre Königin, die uns regiert... das heißt, sie ist natürlich genötigt, die Etikette zu befolgen und sich an die Verfassung zu halten, sonst geht’s ihr schlecht. Der Sicherheit wegen haben wir am Anfang mehrere Königinnen. Die beste davon behalten wir, die andern wandern aus und bauen neue Hügel, oder wir schlagen sie tot. Ebenso machen wir’s mit den Männchen. Sobald die Königinnen Hochzeit gehalten haben, schlagen wir alle Männchen tot. Denn dann nützen sie uns nichts mehr, sondern fallen nur dem Staat zur Last.“

„Das ist ein lieblicher Staat!“ sagte der Buchfink. „Seinen Mann totschlagen... hat man je so etwas gehört! Darf ich fragen... hast du auch deinen Mann erschlagen?“