„Ich habe nie einen Mann gehabt,“ entgegnete die Ameise. „Ich bin nicht für die Ehe veranlagt. Freilich bin ich so eine Art Frauenzimmer, aber ich habe nie Zeit gehabt, an Liebesgeschichten zu denken, und hab’ mir nie etwas daraus gemacht. Ich bin Arbeiter und nichts andres. Und so sind die meisten von uns! Wir bauen den Hügel, und wir besorgen die Eier, die die Königin legt. Wir füttern die Larven, bewegen die Puppen und sammeln Wintervorräte ein — kurz, wir erledigen alles, was in einem ordentlichen Staate zu tun ist. Wenn’s sein muß, können wir auch kämpfen. Einige von uns haben große Kinnbacken; das sind die Soldaten, und Gott helfe denen, die in ihre Finger fallen. Wir säen auch im Frühjahr und ernten im Herbst... aber was verstehen solch lose Existenzen wie ihr von alledem? Ich erzähle es bloß, damit ihr sehen könnt, daß das, was ich sage, wahr ist. Die Ameisen sind wirklich die vornehmsten Tiere von der Welt, und all ihr andern seid nur da, damit ihr uns Nutzen bringt und Vergnügen bereitet.“
„So ein Sklavenleben!“ sagte der Buchfink. „Hundertmal lieber ein freier Vogel unterm Himmel, als solch ein Rad in der Maschine wie du.“
„Oder eine gewaltige Buche im Walde,“ sagte die Buche.
„Oder eine duftende Blume,“ sagte der Waldmeister stolz.
„Bitte schön,“ erwiderte die Ameise. „Ein jeder nach seiner Natur. Wie solltet ihr uns verstehen können, da ihr auf einer so niedrigen Kulturstufe steht!“
„Was war das mit der Blattlaus?“ fragte der Buchfink.
„Du kannst sie selber fragen, wenn sie kommen,“ antwortete die Ameise. „Jetzt hab’ ich keine Zeit mehr, mit euch zu schwatzen.“
Und damit ging sie an ihre Arbeit. Die andern sprachen von ihr, lachten über sie und entfernten sich dann.
Eines Tages waren die Blattläuse da.