Es war nicht leicht zu sagen, woher sie gekommen waren. Sie saßen auf der untern Seite beinah sämtlicher Blätter eines Wacholderstrauchs, der dicht bei dem Ameisenhügel stand. Sie saßen so dicht, daß sie einander berührten; an einigen Stellen saßen sie übereinander, und die obersten steckten ihren Rüssel zwischen die andern hinab und sogen den Saft herauf.

Rings auf den Blättern lagen klare Tropfen. Die wurden von den Ameisen geholt und in den Hügel hinuntergetragen, wenn die Ameisen sie nicht unterwegs tranken. Aber wenn die alte Ameise das sah, bekamen sie Prügel. Denn es war die allerfeinste Nahrung, und niemand durfte davon genießen, mit Ausnahme der Königin und der Kavaliere während ihrer kurzen Lebenszeit.

„Darf ich Ew. Majestät die Blattlaus vorstellen?“ sagte die alte Ameise.

Und sie stieß leise an eine große Blattlaus, die ganz außen am Blattrande saß.

„Laß mich saugen,“ sagte die Blattlaus.

„Saug’ du nur, mein Engel,“ sagte die alte Ameise in ihrem allerliebenswürdigsten Tone... „Je mehr du saugst, desto besser. Die Ameisenkönigin wollte dich gerne sehen.“

„Laß mich saugen,“ sagte die Blattlaus.

„Respekt scheint sie nicht gerade zu haben,“ sagte die Königin. „Schlagt sie tot!“

„Geht nicht an, Ew. Majestät!“ erwiderte die Ameise... „Denn sie liefert den Saft, den Ew. Majestät morgens beim Aufstehn trinken... Sehen Sie, da liegt ein Tropfen... Wollen Ew. Majestät geruhen...“

Die Königin trank von dem Tropfen.