„Daran solltest du mich lieber nicht erinnern! Mein lieber, guter Mann! Ich habe einen ganzen Tag über seinen Tod getrauert.“
„Gewiß, da sehen Ew. Majestät selber! Von den Liebesgeschichten hat man nur Kummer und Ungelegenheiten. Und so ein Haustier wie die Blattlaus dort... Ew. Majestät müssen wissen, daß nicht einmal ich jemals einen Liebsten gehabt habe.“
„Das fehlte gerade noch,“ sagte die Königin. „Was sollte eine Sklavin wie du mit einem Liebsten?“
„Sehr richtig, Ew. Majestät. Sie müssen wissen, daß die Mutter der Blattlaus im letzten Herbst einmal eine Art Mann gehabt hat. Wie das eigentlich mit ihm zusammenhing, weiß ich nicht. Aber verheiratet war sie also, und Eier legte sie auch, und dann starb sie. Damit nun den Ameisen keine Ungelegenheiten daraus erwachsen, kriegt die Blattlaus, die aus dem Ei gekommen ist, den ganzen Sommer über Junge, so daß stets genug von dem süßen Saft vorhanden ist für Ew. Majestät und für diejenigen Untertanen, denen Ew. Majestät einen Tropfen vergönnen. Zum Herbst, wenn wir keine Verwendung mehr für den Saft haben, dann heiraten die Kindeskinder der Blattlaus, soviel ich weiß, legen Eier und sterben, nachdem sie auf diese Weise für die Ameisen im folgenden Jahre gesorgt haben. Man kann nicht leugnen, es geschieht viel für die Ameisen.“
„Das ist wahr,“ sagte die Königin. „Gib mir nur gut auf meine Blattläuse acht! Jetzt geh’ ich hinein und leg’ noch mehr Eier. Das bin ich meinem Reiche schuldig.“
Damit stolzierte sie in den Hügel hinein. Die alte Ameise öffnete ihr ehrerbietig die Tür und ging dann an ihre Arbeit.
„Hast du je so etwas gehört?“ schrie der Buchfink.
„Nie in meinem Leben!“ sagte die Buche.
„Es ist unglaublich!“ erklärte der Waldmeister.
„Es ist gelogen,“ sagte die Tanne.