Da lachten die Sträucher, daß alle ihre Blätter sich bewegten. Denn sie fanden die Nachtigall ungemein witzig. Und sie war auch der einzige Vogel, der hier im Winkel sein Nest baute.

Aber der alte Pfahl machte sich nicht viel aus all dem Spektakel. Er hörte jetzt auch nicht mehr besonders gut, so daß ihm vielleicht manches entging. Außerdem war er ja in dem Alter, wo man sich um das Gerede der Leute nicht bekümmert, wenn man nur seine behagliche Ruhe hat. Wenn sie alle durcheinander schrien, so daß man in dem Winkel kein Wort verstehen konnte, dann machte er ja allerdings eine bescheidene kleine Bemerkung zu seiner Entschuldigung. Aber gewöhnlich hörte das niemand außer dem Moos, das auf dem alten Pfahl wuchs.

„Herr Gott!“ murmelte er dann. „Laßt mich doch in Frieden hier stehen, bis ich falle. Ich tue ja keiner Katze was zuleide.“

Und kurz darauf sagte er, aber noch leiser:

„Unsereins ist ja auch einmal jung gewesen. Ein richtiger, schöner Baum war ich, jawohl! Damals hab’ ich Blätter und Blüten gehabt, und zwei Buchfinkenfamilien haben in meinem Wipfel gewohnt. Aber dann sollte ein Weg dahin, wo ich stand. Ich wurde gefällt, zugehauen und angestrichen — rot und weiß — und um die Beine herum geteert. Acht lange Jahre stand ich so im Zaune da. Das strengt an, jawohl!“

Eines Morgens im Sommer hing der alte Pfahl seinen Gedanken nach.

Es hatte zwei Tage lang geregnet, und am Fuße des Pfahls hatte sich eine kleine Pfütze gebildet. Große, schwere Tropfen fielen von den Sträuchern auf die welken Blätter hinab. Jeder von den langen, dünnen Grashalmen schleppte einen Tropfen und zerbrach fast vor Anstrengung. Aber nun war in der Frühe die Sonne hinter den Wolken hervorgekommen und schien mild und warm gerade auf den Pfahl.

„Gott sei Dank!“ sagte der alte Pfahl. „Das war zu viel Feuchtigkeit für so einen alten Herrn wie ich, der die Gicht und das Podagra hat.“