Da lagen zerbrochene Blumentöpfe und geknickte Blumenstöcke, verwelkte Pflanzen, die einmal vornehm gewesen, aber jetzt so vertrocknet und eingeschrumpft waren, daß man sie gar nicht mehr wiedererkennen konnte. Da lag ein alter Rechen, der nur noch einen Zahn hatte, und der war entzwei; und da lagen ein Spatenstiel ohne Spaten und ein Scharreisen ohne Schaft.
Und ringsum zwischen alledem wuchsen lange, dünne Grashalme, die sofort umknicken mußten, wenn der Wind über sie hinstrich. Aber das tat er nicht, denn die Büsche waren auf allen Seiten dicht miteinander verschlungen, so daß der Wind keinen Zutritt fand. Die Bäume aus dem Nachbargarten streckten ihre Zweige weit über den Zaun hin, so daß es in dem kleinen Winkel immer dunkel war. Bloß gerade in der Mitte der Anhöhe war ein Fleck, auf den die Sonne schien.
Auf diesem Fleck stand der Pfahl.
Er war jetzt so häuslich, wie so ein alter Pfahl nur sein kann. Aber im übrigen trat er niemandem zu nahe. Er sonnte seinen alten, runzligen Körper und neigte sich müde nach der einen Seite. Es war ganz deutlich, daß er fromm und gottergeben auf den Tag wartete, wo er umfallen und verfaulen würde.
Aber die Sträucher und das Gras ringsum konnten ihn nicht leiden, weil er mitten in der Sonne stand, während sie selbst im Schatten wuchsen.
„Das Leben hat doch gar keinen Sinn,“ sagte das Gras, das lang und dünn und blaß in die Höhe schoß. „Hier stehe ich und wachse und wachse und bedarf der Sonne und bekomme keine, während der abgestorbene, vertrocknete Bursche es sich im lieblichsten Sonnenschein wohl sein läßt!“
„Das alte Gespenst!“ rief der Fliederstrauch, dessen unterste Zweige sämtlich verdorrt waren, weil die Sonne fehlte. „Wenn er nicht so viel Takt gehabt hat, sich hinzulegen und zu sterben, dann sollte er seinen Leichnam wenigstens nicht in der Sonne zur Schau stellen. Wozu ist er zu gebrauchen? Was tut er? Treibt er Blätter und Blüten?“
Der Goldregen nickte mit allen seinen gelben Blüten, denn er war ganz derselben Ansicht wie der Fliederstrauch. Und die Nachtigall, die im Rotdorn wohnte, setzte sich nie auf den alten Pfahl. Sie hüpfte in den Sträuchern umher und flüsterte ihnen allerlei Schönes ins Ohr. Sie erzählte dem Goldregen, wie fein und anmutig seine Blüten herabhingen. Sie sang von dem Duft des Flieders und des Jasmins und sagte zum Rotdorn, nirgends in der Welt lasse es sich so warm und herrlich wohnen wie in seinen Zweigen. Für den alten Pfahl aber hatte die Nachtigall nie ein freundliches Wort übrig, hielt ihn vielmehr immer zum besten.
„Na, du alter, steifer Kerl!“ schrie sie. „Willst du nicht ein bißchen mit deinen Blättern fächeln — was? Oder sind deine Knospen vielleicht noch nicht aufgesprungen? Oder feierst du schon Herbst?“