„Wie meinen Sie?“ fragte der Pfahl, der glaubte, falsch verstanden zu haben.

„Ich bekomme mein Kind nie zu sehen,“ sagte die Grabwespe. „Wenn ich das Haus mit Marienkäferlarven gefüllt habe, lege ich das Ei, und dann muß ich sterben. Das ist nun mal mein Schicksal.“

„Herrje!“ rief der Pfahl.

Die Grabwespe flog davon, und die Nachtigall, die auf dem Rande ihres Nestes saß, wollte sie wegschnappen. Aber da wurde sie von einem ihrer Kinder am Bein gezwickt.

„Ach, laß sie fliegen, Mütterchen, dann bist du lieb,“ bat das Junge. „Ich habe das ganze hier mitangehört. Denke dir, das arme Wesen bekommt sein Junges nie zu sehen. Laß sie fliegen, dann dürfen die andern meine nächste Fliege kriegen.“

„Du bist ein gutmütiger kleiner Dummkopf,“ sagte die Nachtigall, „und in zehn Minuten bereust du es. Aber eine sonderbare Geschichte ist es doch.“

Dasselbe meinten die Sträucher rings um den kleinen Hügel herum. Sie beugten sich über den Pfahl und guckten in das Loch hinein, wo die ohnmächtige Marienkäferlarve auf dem Rücken lag. Die Grashalme richteten sich auf und wünschten, noch länger zu sein, damit sie auch etwas zu sehen bekämen. Am allermeisten erstaunt waren sie alle darüber, daß so etwas Merkwürdiges gerade dem alten, morschen Pfahl passieren sollte.

Aber der stand mitten auf dem Hügel und hielt sich aufrecht, so gut er konnte, und war unsäglich stolz.

„Wäre ich eine vernünftige Nachtigall, so zupfte ich die Marienkäferlarve heraus und fräße sie,“ sagte die Nachtigall. „Aber es mag hingehn. Vorläufig ist ja genug Futter im Garten, und sie läuft mir nicht weg. Wollen sehen, was draus wird.“