Als sie den andern ihr Leid klagte, erzählten die Kornblume und die Glockenblume, daß es ihnen genau so ginge. Auch die Grashalme sagten dasselbe; das konnte man freilich nicht recht mitrechnen, denn die waren immer derselben Meinung wie der, mit dem sie gerade sprachen. Das Moos sagte gar nichts, doch das hatte nichts zu bedeuten, denn es war auch niemand da, der es fragte.
„Wir brauchen Regen,“ sagte der Nußstrauch. „Sonst fehlt uns nichts. Mich stört es noch nicht, aber es kann noch kommen. Ihr seid so klein und zart; darum merkt ihr es zuerst.“
Die Grashalme nickten und fanden, das sei ausgezeichnet gesagt von dem Nußstrauch. Die andern ließen den Kopf hängen. Der Hänfling sang, so schön er konnte, um die kranken Freunde aufzuheitern.
Aber krank waren sie, und krank blieben sie; und mit jedem Tage wurde es schlimmer.
„Ich glaube, ich sterbe,“ sagte die Nelke.
Die Grashalme erwiderten ihr höflich, sie seien schon halb gestorben. Auch dem Nußstrauch ging es nicht gut, und dem Hänfling kam die Luft so schwül vor, daß er gar keine Lust zu singen verspürte.
Als sie sich am Abend unterhielten, hörten sie die gleiche Klage in dem Rauschen des großen Waldes, in dem Gebrüll des Hirsches, dem Bellen des Fuchses, dem Quaken des Frosches und dem Pfeifen der Maus in ihrem Loch. Auch der Förster und der Bauer, die vorübergingen, sprachen davon. Sie schauten zu dem blanken Himmel auf und schüttelten die Köpfe.
„Morgen wird’s auch wieder nicht regnen,“ sagte der Förster. „Meine kleinen Bäume gehen alle ein.“