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Wald und Heide.
Es war einmal ein herrlicher Wald mit tausend ranken Stämmen und mit Saus und Sang in den dunkeln Kronen.
Ringsum dehnten sich Wiesen und Felder, und drüben hatte der Bauer sein Haus erbaut. Wiese und Feld boten einen guten Anblick dar in ihrem vollen Grün, und der Bauer war fleißig und dankbar für den Ertrag, den er heimbrachte. Der Wald aber stand wie ein großer Herr hoch über ihnen allen.
Während des Winters lag das Feld flach und elend unterm Schnee, die Wiese war ein einziger vereister See, und der Bauer verkroch sich in der Ofenecke; aber der Wald stand gleich rank und ruhig da mit seinen nackten Zweigen und ließ es stürmen und schneien, soviel es Lust hatte. Wenn’s Frühling wurde, dann grünten freilich Feld und Wiese, und der Bauer kam hervor und begann zu pflügen und zu säen. Der Wald aber erwachte zu solcher Herrlichkeit, daß niemand es beschreiben konnte; zu seinen Füßen standen Blumen, und auf seinen grünen Wipfeln lag die Sonne; aus dem kleinsten Strauch erscholl Vogelgesang, und allerorten duftete es und wogte es von festlichen Farben.
Da geschah es eines Sommertags, als der Wald mit seinen Zweigen um sich fächelte, daß ihm ein spaßiges braunes Ding vor Augen kam, das sich auf den Hügeln gegen Westen ausbreitete, und das er noch nie gesehen hatte.
„Was bist du für ein Geselle?“ fragte der Wald.
„Ich bin die Heide,“ erwiderte das braune Ding.
„Ich kenne dich nicht,“ entgegnete der Wald, „und ich mag dich nicht leiden. Du bist so garstig und schwarz, gleichst weder Feld noch Wiese noch sonst irgend etwas, das ich kenne. Hast du Knospen, die aufspringen? Kannst du blühen? Kannst du singen?“