„Gewiß, gewiß,“ sagte die Heide. „Im August, wenn deine Blätter dunkel und müde werden, dann springen meine Blütenknospen auf. Und dann bin ich rot — rot von einem Ende zum andern und schöner als alles, was du je gesehen hast.“
„Prahlhans!“ sagte der Wald. Und dann sprachen sie nicht mehr zusammen.
Im nächsten Jahr war die Heide ein großes Stück den Hügel hinabgekrochen, auf den Wald zu. Der Wald sah es zwar, sagte aber nichts. Es schien ihm unter seiner Würde zu sein, sich mit solch garstigem Burschen zu unterhalten. In seinem Innern aber hatte er Angst. So machte er sich denn so grün und schön, wie er nur konnte, und ließ sich nichts anmerken.
Mit jedem Jahr aber, das verstrich, kam ihm die Heide näher. Sie hatte jetzt alle Hügel zugedeckt und lag dicht vor dem Bereich des Waldes.
„Scher dich weg!“ sagte der Wald. „Du bist mir im Wege. Gib acht, daß du nicht an meine Hecke rührst!“
„Ich geh drüber weg,“ war die Antwort der Heide. „Ich geh hinein in dich, ich fresse und zerstöre dich.“
Da lachte der Wald, daß alle seine Blätter bebten.
„Soso, also das ist deine Absicht!“ sagte er. „Wenn du’s nur fertig bringst! Ich fürchte, ich bin ein zu großer Happen für dich. Du glaubst wohl, ich bin dasselbe wie so ein bißchen Wiese oder Feld, worüber man im Nu hinwegspazieren kann. Aber ich bin der Mächtigste und Vornehmste in der ganzen Gegend, mußt du wissen. Ich will dir einmal mein Liedlein vorsingen, dann kommst du vielleicht auf andere Gedanken.“