„Ich habe Sehnsucht nach den Menschen,“ sagte das Gold. „Das sind offenbar Wesen, die etwas von den Dingen verstehen.“
„Und ich?“ fragte das Silber.
„Du hast auch deinen Wert,“ erwiderte der Adler. „Aber gegen das Gold kannst du nicht an. Ihm kommt keiner gleich, weder Kupfer, noch Eisen, noch Blei. Aber für euch alle haben die Menschen Verwendung; tausenderlei Dinge können sie aus euch herstellen. Wie gesagt, sie sollten nur wissen, daß ihr hier wäret!“
„Erzähl’ es ihnen,“ bat das Gold.
„Ja, sag’ es ihnen, sag’ es ihnen!“ riefen die andern.
„So töricht bin ich nicht,“ antwortete der Adler. „Wenn die Menschen nur wüßten, daß hier halb so viel Gold wäre, wie ich von meinem Horst aus schimmern sehe, so kämen sie zu Tausenden herbeigestürzt. Bevor eine Woche um wäre, würde es hier schwarz von Menschen sein. Das ganze Land würden sie umgraben und durchwühlen. Den Bären würden sie erlegen und mich desgleichen, wenn sie uns nur treffen könnten. Wir müßten in andere Gegenden entfliehen. Warum sollte ich all das Elend über uns bringen?“
„Das, was ein Elend für dich wäre, würde ein Glück für mich sein,“ sagte das Gold. „Und ein Glück wäre es wohl auch für die Menschen, da sie mich so hoch schätzen. Möchten sie doch nur kommen! Ich würde leuchten und glänzen, daß sie ihre Freude daran hätten.“
„Schon möglich,“ meinte der Adler. „Aber die Freude, die du ihnen bereiten könntest, wöge bei weitem nicht das Unglück auf, das du anstiften würdest.“
„Ich glaube dir nicht,“ sagte das Gold.
„Tu, was du willst!“ Der Adler schlug mit seinen breiten Flügeln. „Es spielt doch keine Rolle, denn hier sind keine Menschen, und es kommen auch keine hierher. Viele Meilen weit erstreckt sich das böse Land nach allen Seiten. Die Menschen würden vor Hunger und Durst umkommen, wenn sie hierher zögen. Aber es fällt ihnen ja auch nicht ein; denn sie wissen nichts von dem Schatze, der sich hier befindet.“