„Das ist auch nicht nötig, Majestät,“ sagte die Alte. „Der Hügel ist wahrhaftig voll genug. Wir haben unsere Mühe und Not damit, für alle genug Nahrung zu schaffen. Ich hoffe, daß Majestät sich wohl befinden, und daß das Gefolge gehorsam und untertänig ist?“

„Kümmere mich nicht darum,“ antwortete die Königin. „Wo sind meine Flügel? Wünsche ein wenig in der Sonne umherzufliegen.“

„Das ist leider unmöglich, Majestät. Wie Majestät sich erinnern werden, verloren Majestät die Flügel im vorigen Jahre bei einem bedauernswerten Unglücksfall unmittelbar nach Ihrer Majestät Hochzeit.“

Die Folge dieser Worte war, daß die Königin mit ihren Kiefern nach der Ameise biß; doch sie war zu dick und zu alt und konnte sie nicht erreichen. „Unsinn, Geschwätz... alter Flegel... hab’ sie selber abgerissen... wart’ nur...“

Dann watschelte sie weiter, von ihrem ehrerbietigen Gefolge begleitet. Hinter ihr kamen noch andere Königinnen, die alle ein ähnliches Gefolge hatten und von der Alten mit der größten Untertänigkeit begrüßt wurden. Sie gingen umher, machten hier und da halt, faselten ein wenig, ließen sich füttern und gingen dann wieder in den Hügel hinein.

„Ach ja,“ seufzte die Alte, als die Prozession vorüber war. „Sie taugen nichts mehr. Aber das macht nichts, wir haben mehr neue, als wir brauchen können.“

„Verzeihung,“ sagte der Buchfink, der wieder in der Tanne über dem Hügel saß. „Sind deine Kanonen wieder eingefahren?“

„Wir tun keiner Katze ein Leid, wenn man uns nur in Frieden läßt,“ erwiderte die Ameise.

„Ja, ich werd’ mich in acht nehmen,“ sagte der Buchfink. „Vorläufig wenigstens. Wenn man das Nest voller Jungen hat, die vom Morgen bis zum Abend vor Hunger schreien, weiß man ja allerdings nicht, auf was für Gedanken man noch kommen kann.“

„Nein, das weiß Gott.“