Dann rief sie die ältesten und vernünftigsten Ameisen zusammen und schärfte ihnen ein, wie sie sich zu verhalten hätten.

„Heut nacht geht ihr herum und schneidet alle Puppenhüllen entzwei... Versteht ihr? Natürlich müßt ihr sehr vorsichtig zu Werke gehen, damit niemand Schaden erleidet. Ein jeder nimmt eine Puppe. Wenn die Sonne aufgeht, muß alles in Ordnung sein.“

Die Ameisen nickten. Und die Alte trocknete den Schweiß von ihren Fühlern und ging weiter im Text:

„Also morgen feiern wir Hochzeit im Hügel. Gebt acht, daß die Gänge frei sind, damit die jungen Herrschaften mit ihren Flügeln durchkommen können. Laßt sie alle hinaus, zuerst die Prinzessinnen und dann die jungen Herren. Zuletzt natürlich die Arbeiter, um die ihr euch übrigens gar nicht zu kümmern braucht. Nun aber kommt das Wichtigste: Wenn die jungen Leute ausgeschlüpft sind, wollen sie fortfliegen. Laßt sie ruhig gewähren! Wir können gar nicht so viele ernähren. Aber dreißig von den Prinzessinnen haltet zurück... Ich werd’ euch noch näher angeben, welche es sein sollen. Die dürft ihr nicht aus den Augen lassen, verstanden? Wollen sie fortfliegen, so haltet ihr sie fest... in aller Untertänigkeit natürlich.... aber haltet sie fest! Was dann später geschehen soll, darüber bekommt ihr noch Bescheid. Richtet euch nur nach mir und gehorcht meinen Befehlen!“

Am Abend saß die Alte auf ihrem gewöhnlichen Platze vor der Tür. Sie war so müde, daß sie kein Glied rühren konnte.

Plötzlich glänzte und leuchtete es vor ihren Augen.

„Was nun?“ rief sie.

„Wir sind es!“ sagten dreizehn dünne Stimmchen. „Wir kommen, um uns zu bedanken und um Lebewohl zu sagen.“

Und den Hügel verließen in langer Reihe dreizehn kleine Rosenkäfer, die sich vor der alten Ameise verneigten und zum Zeichen der Freundschaft die Fühler mit ihr kreuzten.

„Herrgott, seid ihr es!“ rief die Ameise. „Wie hübsch ihr seid! Ich hatte euch in der Verwirrung ganz vergessen. Na, nun wäret ihr so weit! Ja, ihr handelt sehr vernünftig, wenn ihr heute eurer Wege geht. Morgen wird es hier im Hügel unerträglich sein. Glückliche Reise!“