„Schönen Dank!“ sagten die Rosenkäfer. „Vielen Dank für Logis und Kost! Dürfen wir kommen und unsere Eier in den Hügel legen?“

„Ja, das dürft ihr,“ sagte die Ameise. „Ich habe erzählen hören, daß die Menschen sich freuen, wenn der Storch auf ihrem Dache sein Nest baut. Sie glauben, daß ihnen das Glück bringt. Das gleiche glauben wir von den Rosenkäfern... Aber sehen meine alten Augen denn recht... Ich meinte, ihr wäret siebzehn gewesen?“

„Neulich, als wir gar zu hungrig waren, haben wir die vier aufgefressen,“ erzählten die Rosenkäfer.

„Nun ja, das ist der Lauf der Welt,“ meinte die Alte seufzend. „Lebt wohl! Und Gott sei mit euch!“

„O, diese Schmarotzer,“ rief der Buchfink.

„Das sind unsere Gastfreunde,“ erwiderte die alte Ameise.

„Du führst eigentlich ein sonderbares Leben,“ sagte der Buchfink. „Vom Morgen bis zum Abend mußt du dich abrackern für dich und deine vielen Tausend Schwestern. Möchtest du nicht lieber leben wie ich: mit einer lieben kleinen Frau und sechs Kinderchen? und möchtest du nicht lieber ein paar Flügel haben, die dich über den ganzen Wald hintragen könnten?“

„Mit sechs Kindern?“ wiederholte die Ameise. „Was sollte daraus werden? Ich bin ans Rechnen mit ganz anderen Zahlen gewöhnt. Und wenn ich etwas haben sollte, müßte es wohl ein Mann sein, da man mich ja doch als Frauenzimmer anzusehen hat, wenn ich auch nur eine ausgediente Magd bin. Aber ich kenne die Männer. Es ist kein Staat mit ihnen zu machen. Warte nur bis morgen; dann wirst du sehen, wie wenig Achtung wir hier im Hügel vor ihnen haben. Und dann wirst du auch Flügel zu sehen bekommen, das kannst du mir glauben. Aber die Flügel und die Liebesgeschichten sind nur ein kurzes, armseliges Vergnügen; und ich bin sehr zufrieden mit meiner Jungfernschaft und meiner Arbeit. — Gute Nacht!“

Die Nacht, die nun folgte, war die fürchterlichste in der ganzen Geschichte des Hügels.

Es entstand ein Wirrwarr und Spektakel ohnegleichen. Keine der Ameisen tat ein Auge zu. Man schnitt die Puppenhüllen entzwei, half den jungen Ameisen heraus und schleppte die Hüllen fort. Denn es sollte in allen Winkeln fein sauber sein für das große Hochzeitsfest.