„Wer trägt euch allesamt zum Tisch und setzt euch dorthin?“ fragten höhnisch die Beine.
Da entstand ein ungeheurer Spektakel in dem Jungen; unbegreiflicherweise wachte er dennoch nicht auf. Das war ärgerlich für ihn, aber gut für die Geschichte. Als es wieder ein bißchen stiller geworden war, sagte das Herz: „Ihr schwatzt alle, soweit euer Verstand reicht. Ich bin der Vornehmste in dem ganzen Jungen. Wenn ich aufhöre zu schlagen, dann ist alles vorbei. Es gibt Leute, die keine Augen haben, und Leute, die keine Beine haben, Leute, die keine Hände haben, Leute, die keine Ohren haben, und Leute, die keine Zähne haben. Es gibt Leute, deren Magen keinen roten Heller wert ist. Aber Leute, die kein Herz haben, sind schlechthin geliefert.“
„Ah!“ höhnten die Beine. „Du bist ja auch immer so voll von edlen Gefühlen und dergleichen.“
„Durchaus nicht,“ erwiderte das Herz. „Das ist Unsinn. Ich bin ein einfaches Pumpwerk, nicht mehr und nicht weniger. Wollt ihr zuhören, so werd’ ich euch alles erklären.“
„Erzähle!“ sagten die Beine. „Aber sei nur nicht zu weitschweifig.“
„Beeile dich, ehe wir uns heben!“ sagten die Augenlider.
Da lachten alle, und dann fing das Herz an zu erzählen: „So ein kleiner Junge, wie der, zu dem wir gehören —“
„Halt mal ein wenig,“ riefen die Beine. „Uns gefällt deine Ausdrucksweise nicht. Du mußt lieber sagen, daß der Junge zu uns gehört. Was wäre er ohne uns? Wenn wir verabredeten, unsrer Wege zu gehen, jeder nach einer andern Seite hin, was würde dann aus dem Jungen?“
„Gut,“ antwortete das Herz. „Das Vergnügen kann ich euch machen. Also: so ein kleiner Junge, wie wir einer sind, gleicht einer sehr verwickelten Maschine mit einer Menge Räder, Stangen und merkwürdigen Apparaten. Unaufhörlich arbeitet die Maschine. Die Räder schnurren, die Stangen gehen ihren Gang. Allerorten werden die Teile abgenützt, allerorten muß nachgesehen und repariert werden; denn wenn nur ein einziges Rad anhält, sieht es schlimm aus für die ganze Maschine.“
„Was für eingebildetes Zeug ist das?“ riefen die Beine. „Das verstehe, wer kann!“