„Allerdings haben sich die Augenlider lächerlich gemacht,“ sagte der Magen, der langsam und mit großer Würde sprach. „Aber eigentlich seid ihr doch auch nicht viel klüger, ihr guten Beine, wenn ihr glaubt, daß ihr den ganzen Jungen regiertet. Was haltet ihr denn von mir? Was wollt ihr ohne mich anfangen?“
„Wir würden viel geschwinder laufen,“ erwiderten flugs die Beine. „Schon oft haben wir uns darüber geärgert, daß wir an so einem Klotz von Magen zu schleppen hatten.“
„Ihr schwatzt, wie ihr es versteht,“ sagte der Magen. „Von mir habt ihr alle eure Kräfte. Von mir kommt die Nahrung, und die Nahrung sind die Kräfte. Wenn ich nicht will, steht alles still.“
„Du eingebildeter Knirps!“ riefen die Beine.
„Wohl möglich,“ sagte der Magen. „Ich weiß wohl, daß ich klein bin, und ich werde es auch noch geraume Zeit bleiben, solange unser kleiner Junge so klein ist. Aber wartet nur, ihr mißgünstigen Seelen! Seht seinen Vater an! Sein Bauch rundet sich schon recht hübsch unter der Weste. Und seht unseren Onkel Kommerzienrat an. Er ist der vornehmste Mann in der Stadt, und hat den größten Bauch unter allen Einwohnern. Ich kann euch erzählen, daß er niemals Kommerzienrat geworden wäre, wenn er nicht einen so guten, ausdehnungsfähigen Magen gehabt hätte.“
„Uns vergißt du wohl, guter Magen,“ sagten die Zähne. „Wenn wir nicht das Essen kauen, kannst du gar nichts damit anfangen.“
„Wer sieht, wo das Essen steht?“ fragten die Augen.
„Wer hört, wenn zu Tisch gerufen wird?“ fragten die Ohren.
„Wer nimmt das Essen und tut es in den Mund?“ riefen die Hände.