„Ja, mir ist das gleichgültig,“ sagte die Maus, die sich gekränkt fühlte, weil sie die Sache nicht verstand.

„Aber mir nicht,“ rief der Wind. „Denn da, wo vorher die Luft war, entsteht ein leerer Raum, und dann heißt es sofort: ‚Pst, Wind, komm geschwind mit frischer Luft hierher!‘ Und wenn ich still gelegen habe, so soll ich auf und davon rennen; und wenn ich Ostwind gewesen bin, so soll ich auf die Minute Kehrt machen und Westwind sein.“

„Aha,“ sagte die Maus. „So hängt die Sache zusammen. Da hast bloß zu gehorchen.“

„Ganz richtig,“ sagte der Wind. „Niemals weiß ich, bevor die Order kommt, wohin ich soll. Findet keine Erwärmung statt, so liege ich still und muß mich darein finden, von denen ausgescholten zu werden, die mich brauchen, und nicht begreifen können, wo ich bleibe. Sodann kommt Befehl von Osten, ich fahre von Westen daher und höre unterwegs nichts als die Verwünschungen derer, die mich von Osten erwartet haben.“

„Ja, das kann nicht gerade amüsant sein,“ sagte die Maus.

„Es ist fürchterlich,“ klagte der Wind. „Und siehst du... wenn die Sonne nun ganz plötzlich den Einfall bekommt, irgendwo zu scheinen, und wenn sie dann sehr stark scheint, dann muß ich rennen wie verrückt, um zeitig genug zu kommen. Dann werde ich zum Sturm und fahre über Meere und Länder dahin; die Bäume stürzen um, die Dächer werden von den Häusern weggeweht, und die Schiffe scheitern. Dann beschuldigen die Leute mich grauenhafter Bosheit und geben mir die Schuld an all dem Unglück. Und ich kann doch gar nichts dafür.“

„Ich gebe zu, daß das ein hartes Los ist,“ sagte die Maus. „Die Sonne verdient also die Prügel und nicht du.“

„Ganz gewiß. Aber die Sonne verehren sie und beten sie an.“

„Könntest du nicht jemand veranlassen, ihnen zu erklären, wie die Sache zusammenhängt?“

„Wer sollte das wohl sein?“ fragte der Wind und schüttelte den Kopf.