„Entschuldigen Sie, daß Sie das Mehl noch nicht gekriegt haben,“ sagte der Müller zum Bauer. „Es ist nicht meine Schuld, sondern die des Windes. Man kann sich keine Stunde lang auf ihn verlassen.“

„Der Wind ist der unzuverlässigste Geselle von der Welt,“ sagte der Schiffer. „Braucht man Ostwind, so kann man zehn gegen eins wetten, daß Westwind herrscht. Soll der Wind sich legen, so weht er. Soll er wehen, so legt er sich. Will man Stille haben, so bekommt man Sturm.“

Die Leute gingen weiter. —

„Das sind wahre Worte,“ sagte der Apfelbaum. „Dienstag hat mir der Wind alle meine schönen Blüten weggenommen.“

„Der Wind ist das größte Ungeheuer der Welt,“ rief der Löwenzahn. „Sonnabend hat er es mir abgeschlagen, mit meinen Samen in die Welt zu fliegen.“ — —

„Hörst du’s nun?“ fragte der Wind.

„Ich habe es gehört,“ erwiderte die Maus. „Und ich bedaure dich aufrichtig.“

„Und doch gibt es noch Schlimmeres,“ sagte der Wind. „Nun kennst du also mein Schicksal. Du weißt, daß es nicht meine Schuld ist, wenn ich den Leuten Übles zufüge, und daß ich den Zorn über meines Herrn Taten geduldig auf mich nehmen muß. Kann es dich da befremden, wenn ich hier und da einmal zusammenbreche?“

„Nein, wirklich nicht,“ entgegnete die Maus. „Ein anderer könnte es ja überhaupt nicht ertragen.“

„Gut. Ich stöhne auch so manches liebe Mal. Mein unverdientes Geschick quält mich dann so, daß ich brüllend auf dem Meere in der Takelage hause, heulend in die Schornsteine fahre und durch alle Ritzen und Spalten pfeife. Weißt du, was dann die Leute sagen?“