„Ich bin durch das Gras auf den Hirsch zu gekrochen. Aber eh’ ich zum Sprunge kam, hatte der Elende ihn schon erlegt. Der Spieß steckte im Halse des Hirsches, und er stürzte tot zu Boden.“

„Warum aber hast du dem Unverschämten die Beute nicht abgenommen?“ fragte sie weiter.

„Er hatte noch einen Speer in der Hand. Und sein Junges hatte auch einen. Ich weiß nicht, welche Bewandtnis es mit diesen Speeren hat. Wer von ihnen getroffen wird, fällt um und stirbt.“

„Du hast also Angst vor dem Zweifüßler,“ rief da die Löwin. „Er ist König im Walde und nicht du! Wenn dein Sohn ebenso feig ist wie du, dann ist es aus mit uns!“

Der Löwe sagte nichts, sondern sah nur mit seinen gelben Augen vor sich hin.

Doch kurz bevor es Tag wurde, schlich er in das Gebüsch vor des Zweifüßlers Höhle und legte sich dort auf die Lauer; geduldig wartete er, bis der Stein beiseite gewälzt würde. Das geschah gleich nach Sonnenaufgang, und der Löwe bereitete sich zum Sprunge. Fast sinnlos vor Wut, sprang er auf den ersten zu, der sich zeigte, schlug ihn mit seiner starken Tatze nieder und trug ihn im Sprunge ins Gebüsch.

Ein fürchterlicher Schrei rief den Zweifüßler in die Öffnung der Höhle. Da stand er, einen Speer in jeder Hand. Und der Löwe sah, daß er nicht seinen Feind getötet hatte, sondern nur eins seiner Kinder. Er ließ ab von der Leiche und rüstete sich von neuem zum Sprunge. Aber schon hatte ihn der Zweifüßler durch das Laub erspäht. Er warf den einen Speer, ohne zu treffen. Dann schleuderte er den andern, — aber da war der Löwe entflohen.

Laut wehklagend und schluchzend trugen der Zweifüßler und sein Weib ihr totes Kind in die Höhle. Der Löwe jedoch flüchtete durch den Wald, von Angst gejagt. Wohin er kam, überall wichen die Tiere erschrocken vor ihm aus.

„Der Löwe flieht vor dem Zweifüßler,“ meldete der Sperling eilfertig weiter.

Und das Gerücht verbreitete sich schnell durch den Wald und wuchs und wuchs.