„Ich nicht,“ erklärte der Hund. „Ich mache mir auch durchaus nichts daraus, sie kennen zu lernen. Ich weiß nur, daß ich zu Hause bei meiner Herrin einen warmen kleinen Korb habe, und daß ich herrliches Essen und Küsse und Liebkosungen bekomme. Ich will hinaus! Ich will nach Hause!“
Der Löwe antwortete ihm nicht; er hing nur seinen Gedanken nach:
„Wenn ich hier so in meinem Käfig liege, wo ich bald sterben werde vor Sehnsucht und Husten, dann ist es mir wenigstens ein Trost zu sehen, wie elende Geschöpfe die Nachkommen des Zweifüßlers sind. Er war doch aufrecht und schön anzusehen — er war ein Tier! Aber diese Wesen... man kann kaum ein Stückchen von ihrem Körper sehen, so wickeln sie sich in Tücher ein. Der Zweifüßler sprang im Walde umher und kletterte auf die Bäume, er hatte wenigstens den Mut zu kämpfen... Aber die Angst der Menschen ist belustigend, wenn ich aufstehe und zu den Eisenstangen hingehe, oder wenn ich brülle. Sie zittern wie Espenlaub, obwohl sie wissen, daß ich ein elender Gefangener bin.“
„Ich will hinaus! Ich will nach Hause!“ winselte der Hund.
Der Löwe erhob sich und näherte sich dem Gitter. Er schlug mit dem Schwanze gegen seine mageren Flanken und öffnete seinen Rachen, indem die Zähne fürchterlich leuchteten. Das Hündchen aber zitterte unter seinem Blick vor Angst.
„Und du?“ rief der Löwe. „Hahaha! Lieber ein gefangener Löwe im Käfig als der arme Schoßhund einer alten Jungfer mit Schellen und Deckchen.“
Und dann stieß er ein so lautes Gebrüll aus, daß im Dorfe alle Leute aus ihren Betten auffuhren. Hierauf legte er sich im Hintergrunde des Käfigs nieder, drehte sich auf die Seite um und schlief ein.
Der kleine Hund aber winselte so lange, bis jemand kam und ihn ins Freie ließ.