„Und ich bin jung und frisch,“ sagte das Buchenscheit. „Bin noch nicht einmal ganz und gar trocken geworden. Ich pfeif’ auf euer elendes Alter.“

Ein Weilchen lagen sie still da. Dann sagte der Torf:

„Verzeihung... aber wollen wir nicht jeder unsere Geschichte erzählen? Wir werden doch hier ein halbes und vielleicht ein ganzes Jahr zu liegen haben. Und Geschichten, die sind so schön.“

„Meinetwegen,“ sagte der Koks, „nur muß ich auf das bestimmteste verlangen, daß ich zuletzt drankomme. Denn erstens bin ich so schwach, daß ich mich erst ein wenig erholen muß. Und zweitens würde eure Ungeduld, an die Reihe zu kommen, mich ganz nervös machen. Drittens —“

„Das Drittens schenk’ ich dir,“ unterbrach ihn das Holzscheit. „Nun beginne ich. Meine Geschichte klingt frisch und frei... ich besinne mich noch auf alles, als wär’ es gestern gewesen.“

„Fang an!“ sagte die Steinkohle. „Nach dir kommt der Torf an die Reihe, und dann komme ich.“

Die Geschichte des Buchenscheits.

„Ich war einmal der stolzeste Baum im Walde,“ begann das Buchenscheit.

„Prahlhans!“ warf die Steinkohle dazwischen. „Wart’ du nur, bis die Reihe an mich kommt!“

„Wart’ selber so lange,“ sagte das Holzscheit. „Ich war also ein Baum... ein großer Baum... eine Buche. Ich stand im Walde, direkt am See, und konnte meine Zweige im blanken Wasser spiegeln. Frühling auf Frühling trieb ich Knospen, und ich kann wohl selbst von mir sagen, daß ich einen schönen Anblick darbot. Aber ich brauch’ es nicht zu sagen. Denn andere haben das schon getan. Alle, die mich sahen, bewunderten mich in lauten Tönen. Es war auch ein Dichter darunter, der Verse über mich schrieb und in die Zeitung setzte. Viele Liebesleute kamen und schnitten ihre Namen in meine Rinde ein. Zwei Raben bauten ihr Nest in meinem Wipfel, und rings in mir wohnten Buchfinke und Stare und waren hoch erfreut über ihr Logis.“