„Wir haben’s eigentlich gut,“ flüsterten die Roggenhalme. „Hier stehen wir hübsch beisammen und sind ganz unter uns. Wir sind uns gegenseitig nicht im geringsten im Wege. Es ist doch wirklich ein schönes Dasein, im Dienste der Menschen zu stehen.“

Aber eines schönen Tages steckten eine ganze Menge Mohnblumen, Disteln, Löwenzahn, Kletten und Glockenblumen die Köpfchen hervor, mitten zwischen dem üppig gedeihenden Roggen.

„Was ist denn das?“ rief der Roggen. „Wie in aller Welt seid ihr hierher gekommen?“

Und der Mohn sah verwundert auf die Glockenblume und fragte:

„Wie kommst du hierher?“

Und die Distel sah die Klette an und fragte:

„Wie in aller Welt kommst du hierher?“

Alle staunten gar sehr, die anderen hier zu finden; und es dauerte eine geraume Weile, bis die Sache aufgeklärt war. Aber der Roggen war am ärgerlichsten, und als er die Geschichte vom Hund und vom Hasen und vom Wind gehört hatte, da geriet er ganz außer sich und rief:

„Gott sei Dank, daß der Bauer den Hasen im Herbst erschossen hat! Und der Hund ist glücklicherweise auch gestorben, der Erzschlingel! Von denen habe ich also nichts mehr zu befürchten. Aber wie darf der Wind es wagen, den Unkrautsamen aufs Feld des Bauern zu schleppen?“

„Nur nicht so hitzig, du grüner Roggen!“ rief da der Wind, der hinter der Hecke gelegen und alles mitangehört hatte. „Ich frage niemanden um Erlaubnis, sondern mache, was ich will, und jetzt mußt du dich vor mir beugen.“