„Spät ist besser als nie,“ versetzte die Auster. „Und ich bin vorläufig recht zufrieden mit dir.“

„Hättest du etwas dagegen, wenn du mir ein wenig von deiner Vornehmheit erzähltest?“ fragte der Pfahl.

Die Auster gähnte mit Wohlbehagen und ließ das Wasser aus- und einströmen.

„Nicht das geringste,“ sagte sie. „Ich habe nichts anderes zu tun als zu gähnen und zu fressen und Schicht auf Schicht auf meine Schalen zu legen, darum habe ich Zeit genug für ein Plauderstündchen. — Du mußt wissen, daß meine Vornehmheit eigentlich erst bei meinem Tode zum Vorschein kommt.“

„O weh!“ rief der Pfahl.

„Ich kann dein Bedauern wohl verstehen,“ fuhr die Auster fort. „Es ist allzu natürlich. Aber es ist nicht vornehm. Und wenn ich plötzlich etwas Feines würde und dann stürbe, sobald ich das Glück erreicht hätte, dann würdest du recht haben. Aber so verhält es sich gar nicht. Ich bin fein von meiner Geburt an. Mein Leben und mein Wohlergehen sind Kostbarkeiten. Mein Tod ist ein Fest.“

„Wollen Sie mir nicht sagen, für wen Sie so viel Wert haben?“ fragte der Pfahl.

„Gerne,“ antwortete die Auster. „Das ist wahrhaftig kein Geheimnis. Die Menschen sind es, die vornehmsten Geschöpfe der Welt. Dieselben, die dich hierher ins Wasser gesetzt haben. Die Menschen sind überhaupt die Beherrscher der Welt.“

„Wenn ich mir erlauben darf, meine Meinung zu äußern,“ sagte der Bohrwurm, „so gibt es doch auch Dinge, über die die Menschen keine Macht haben. Zum Beispiel mich.“

„Lieber Bohrwurm,“ erklärte die Auster. „Natürlich gibt es winzige Dinge, aus denen sich die Menschen nichts machen.“