„Natürlich scheint dir das seltsam,“ sagte die Auster. „Das kann ich so gut verstehen. Wie solltest du den Tod eines Kavaliers oder einer vornehmen Dame begreifen können? Du, der du hier stehst und verfaulst. Oder wie sollte es der Bohrwurm verstehen, der eines Tages tot in seinem Hause liegt? Es ist gewiß am besten, ich erzähle euch gar nichts mehr.“
„Ach doch, erzähle, bitte,“ sagte der Pfahl. „Kümmre dich nur nicht um das Geschwätz eines alten, armseligen Pfahls!“
„Na schön,“ sagte die Auster. „Wie weit waren wir doch gekommen?“
„Du hörtest genau an der Stelle auf, wo du gegessen werden solltest,“ erwiderte der Bohrwurm. „Es ist wahrhaftig kein Wunder, daß du die Geschichte ein wenig in die Länge ziehst.“
„Da haben wir wieder diese ungebildete Auffassung,“ sagte die Auster und wandte sich dem Pfahl zu. „Na, ich will sie ignorieren ... Also, wir werden auf die Schüssel gelegt, auf Eis, weißt du, viel Eis. Denn, wenn wir kalt sind, kommen unsere edlen Eigenschaften am besten zur Geltung; und dann werden wir auf einen Tisch gesetzt, der aufs festlichste geschmückt ist. Geschliffene Gläser und schönes Porzellan, feines Tischtuch, Blumen und viele Kerzen. Die Menschen, die rings um den Tisch herum sitzen, sind auch so fein wie nur möglich. Und dann wird Champagner eingeschenkt, und wir werden gegessen.“
„Lebend?“ fragte der Pfahl.
„Lebend, wie wir sind,“ erwiderte die Auster. „Wir sind ja nicht so zappelig wie die niederen Tiere. Das ist überhaupt ein sicheres Zeichen von Vornehmheit, daß man in allen Lebenslagen so ruhig wie möglich bleibt.“
„Dann muß ich über die Maßen vornehm sein,“ sagte der alte Pfahl und lachte. „Denn ich habe mich in den vielen Jahren um keinen Zoll von der Stelle gerührt.“
„Ich weiß wahrhaftig nicht, wie es sich mit den Pfählen verhält,“ sagte die Auster. „Jetzt bist du jedenfalls ein Austernpfahl; und ich müßte mich sehr irren, wenn es in deinem Stande möglich ist, noch höher zu steigen. Übrigens mußt du mich jetzt für ein paar Tage entschuldigen. Ich muß Kinder zur Welt bringen.“