Der Pfahl schwieg ehrerbietig, während der Bohrwurm lustig in ihm bohrte. Er wagte es höchstens, einen Seufzer von sich zu geben, um die Auster in ihren Wochenbettbetrachtungen nur ja nicht zu stören. Und auch die Auster war schweigsam und zurückhaltend für einige Zeit. Dann, an einem schönen Julitag, öffnete sie die Schalen weit, und ein Strom kleiner schwarzer Körner quoll hervor, die aussahen wie Schießpulver.

„Die jungen Austern,“ stellte sie vor.

„Ich hoffe, sie denken an mich, wenn sie sich häuslich niederlassen,“ sagte der Pfahl. „Das heißt, wenn ihre Frau Mutter bei mir zufrieden gewesen ist. — Es sind ja sehr viele.“

„Zwei Millionen,“ sagte die Auster.

„Gott steh uns bei!“ rief der alte Pfahl.

„Ich kann wohl verstehen, daß die Zahl dir groß vorkommt,“ erklärte die Auster. „Du weißt ja eben nicht, wie es in vornehmen Häusern zugeht, wo man nicht zu sparen braucht. Ich kann mich nicht gut auf weniger einlassen. Du mußt wissen, daß es mit den allermeisten von ihnen schief abläuft, ehe sie zwei Tage alt sind.“

„Gott steh uns bei!“ wiederholte der Pfahl. Es fiel ihm nichts anderes ein. Es kam ihm so vor, als dächte die Auster zu großartig über alles.

„Junge Menschen aus unserem Stande sind einer Menge von Gefahren und Versuchungen ausgesetzt, die einfacher Leute Kinder gar nicht kennen,“ sagte die Auster. „Und dann sind sie auch etwas wild und unbändig. Daran ist gleichfalls das feine Blut schuld. Dazu ist nichts zu sagen, daß sie sich ein wenig austoben, bevor sie in die vornehme Ruhe versinken sollen, die einem echten Austerndasein das Gepräge verleihen muß. Von denen, die übrigbleiben, lassen sich dann wieder die meisten in unvernünftiger Weise nieder, ohne sich ordentlich vorzusehen. Ich möchte es viel nennen, wenn in einem Jahr noch zwanzig am Leben sind.“

„Aber tust du denn nicht das geringste, um ihnen auf den rechten Weg zu helfen?“ fragte der Pfahl.

„Das könnte mir nie einfallen,“ erwiderte die Auster. „Es paßt sich durchaus nicht für meinen Rang und Stand, Kindermädchen zu spielen. Ich würde außerdem mager davon werden und so meinen Platz nicht ausfüllen können, wenn der große Augenblick kommt.“