„Sehr wohl möglich, lieber Pfahl,“ sagte die Auster. „Ich ehre deine Gefühle. Es sind vermutlich solche Blumen gewesen, wie die Menschen sie auf den Tisch stellen, wenn sie mich verspeisen. Aber die Geschichte hier fängt wahrhaftig an, unangenehm zu werden. Ich bin oben schon halb trocken ... Sinkt das Wasser noch einen Zoll, so muß ich den schändlichsten Tod erleiden, der einer Auster widerfahren kann.“
Doch der alte Pfahl hörte und verstand nichts von dem, was sie sagte.
„Jetzt erinnere ich mich!“ rief er immer wieder. „Jetzt erinnere ich mich an alles! Ich bin einmal in alten Tagen eine Brücke gewesen. Sie haben mich in den Erdboden eingerammt und haben mir eine Leibbinde von Eisen gegeben, damit der Bohrwurm mich nicht zerstören sollte ...“
In diesem Augenblick ertönte in seinem Innern ein herzzerreißender Seufzer.
„Ich sterbe ... Ich sterbe!“ stöhnte der Bohrwurm. „Die Sonne verbrennt mich bei lebendigem Leibe ... Wasser ... Wasser ... Wasser!“
Da erwachte der Pfahl aus seinen Kindheitsträumen und wurde wieder der brave Kerl, der in erster Linie für das Wohl seiner Gäste besorgt ist.
„Herr Gott! Herr Gott! Was sollen wir nur tun!“ rief er aus. Und er schlug und peitschte mit seinem ehrwürdigen Tangbart, aber er erreichte kaum noch das Wasser.
„Wir sterben! Wir sterben!“ seufzten die zwölf jungen, schönen Austern, die in seinem Barte hingen. „Wasser ... Wasser ... Wasser!“
Und der Bohrwurm gab schließlich den Geist auf, und auch die zwölf jungen, schönen Austern atmeten ihre Seelen in den klaren Sonnenschein aus, so daß der alte Pfahl ganz verzweifelt war.
„Es hält schwer,“ sagte die alte Auster. „Aber es geht noch.“