„Es ist nicht alles Gold, was glänzt,“ verkündete die alte Auster. „Wir wollen abwarten.“
Und die Zeit verging.
Sie verging mit Gesprächen, wie sie früher vergangen war; und die Gespräche waren immer dieselben. Der alte Pfahl beteiligte sich nicht mehr immer daran, denn jetzt hatten die Austern sich ja untereinander, und ihre Unterhaltung war ungeheuer vornehm. Aber der Pfahl hörte doch zu und schob auch hin und wieder eine kleine bescheidene Bemerkung ein.
Da geschah es eines Tages, daß ein ganz außerordentlich niedriger Wasserstand eintrat.
Der Meeresgrund lag von der Küste an bis weit in den Fjord hinaus offen da. Alle Boote lagen auf dem Trockenen, und große Schiffe strandeten und stürzten auf die Seite. Steine, die nie das Tageslicht erblickt hatten, guckten nun über die Meeresfläche auf ... Alles war anders als sonst; niemand konnte sich erinnern, je einen solchen Tiefstand des Wassers erlebt zu haben.
Mehr als die Hälfte des alten Pfahls ragte über die Wasserfläche hervor, und er war außer sich vor Entzücken. Die Sonne trocknete ein gutes Stück seines Innern, und er hatte ein Gefühl wie nie zuvor. Er konnte über das Land hinsehen, wo der Wald stand, in dem er aufgewachsen war; und es war, als ob sich der Nebel vor seiner Erinnerung höbe.
„Wart’ ein wenig ... wart’ ein wenig!“ rief er. „Jetzt erinnere ich mich daran ... Jetzt weiß ich es. ... Dort in jenem Walde habe ich einmal gestanden und war lebendig und grün ... mit Blättern angetan ...“
„Schrei nicht so laut,“ ermahnte die alte Auster, die dicht unter der Oberfläche des Wassers saß. „Du zitterst ja, daß das Wasser von mir wegplätschert.“
„Ja, aber jetzt erinnere ich mich!“ rief der Pfahl entzückt. „Es taucht alles wieder vor mir auf ... Es standen Blumen in dem Walde ... und die Vögel sangen.“