„Ach ja,“ fiel der Diphtheriebazillus ein. „Mir ist es ebenso ergangen.“
„Mir auch,“ seufzte der Tuberkelbazillus.
„Diese verfluchten Vergrößerungsgläser sind schuld daran,“ rief der Cholerabazillus. „Die elenden Menschen machen einen ausfindig, mag man noch so gut versteckt sein. Und dann bekämpfen sie einen bis aufs äußerste.“
„Man muß sich wehren,“ sagte der Diphtheriebazillus. „Wenn man gut aufpaßt, kann man sich schon durchschlagen. Es kommt nur darauf an, daß man sich ganz still verhält; und wenn man dann Kameraden genug hat, so macht man sich über die Menschen her und erwürgt sie.“
„Ich mache gern alles in Ruhe ab,“ begann der Tuberkelbazillus. „Ich finde, es hat keine so fürchterliche Eile. Man logiert sich ein, macht es sich gemütlich und breitet sich aus, und dann geht alles von selbst, ohne viel Lärm.“
„Das Ruhige liegt mir nicht,“ berichtete der Cholerabazillus. „Ich falle am liebsten wie ein Gewitter über die Menschen her. In alten Zeiten war ich eine Macht. Da war ich für die Menschen etwas Grauenerregendes, Rätselhaftes. Sie hielten mich für eine Strafe Gottes für ihre Sünden und ließen mich wüten, so toll ich wollte. Ich habe sie totgeschlagen wie die Fliegen, und sie blieben unbegraben liegen. Sie betranken sich gottsjämmerlich, so daß ich um so leichteres Spiel mit ihnen hatte. Ich verbarg mich in ihren Kehrichthaufen, die allerorten umherlagen; und wenn sie glaubten, daß es vorbei mit mir sei, so war ich im nächsten Frühjahr doch wieder da und verheerte das Land. Ich habe einmal einem Krieg Einhalt geboten, weil ich alle Soldaten totschlug.“
„Ich weiß, ich weiß ...,“ sagte der Diphtheriebazillus.
„Sie haben eine glorreiche Geschichte,“ rief der Tuberkelbazillus. „Ich bin, wie gesagt, immer mehr fürs Ruhige gewesen, habe aber darum doch dies und jenes ausgerichtet. Ich habe mich in den Familien von Geschlecht zu Geschlecht gehalten und hab’ es mir da recht gemütlich gemacht. Aber ich kann ja nicht leugnen, daß die guten Tage jetzt zur Neige gehen. Überall bauen sie Sanatorien und legen mir auf jede erdenkliche Weise Hindernisse in den Weg.“
„Ja, es sieht schlimm aus,“ bestätigte der Cholerabazillus. „Jetzt passen sie viel zu gut auf, daß es überall sauber ist. Wenn ich mich in einem Menschen einlogiert habe, stecken sie ihn in ein Hospital und sperren ihn von der ganzen Welt ab, so daß ich nicht weiterkommen kann. Hab’ ich drüben auf der andern Erdhälfte gut Fuß gefaßt, so erzählt es den Leuten hier sofort ihr verfluchter Telegraph. Und dann wird es in ihren widerwärtigen Zeitungen abgedruckt, und am Tage darauf weiß man in der ganzen Welt, wo die Cholera ist.“
„Ja, es ist traurig,“ sagte der Tuberkelbazillus.