„Allerdings,“ entgegnete der Fäulnisbazillus. „Überall, wo ein Wesen liegt, das gestorben ist, erscheine ich und verwandle es im Handumdrehen in die nützlichsten Stoffe, die die lebenden Wesen brauchen können. Existierte ich nicht, so wäre die ganze Welt ein Haufen von Leichen. Nehmen wir z. B. an, daß der geehrte Cholerabazillus eine Anzahl der Menschen erschlagen hat, auf die er so ergrimmt ist. Dann komme ich und bewirke, daß sie verfaulen. Ich lasse Menschen verfaulen und lasse Cholerabazillen verfaulen, ohne Ansehen der Person. Und selbst wenn die Menschen die sämtlichen drei anwesenden Herren und alle möglichen andern Krankheiten, die sie plagen, überwunden haben, mir entgehen die Menschen darum doch nicht. Sterben müssen sie; und wenn sie gestorben sind, dann lasse ich sie verfaulen. Darum mache ich mich so oft über alle ihre Sorgen und Faxen lustig. Sie endigen ja alle bei mir.“
„So so,“ sagte der Cholerabazillus nachdenklich.
Und auch die beiden andern dachten nach. Der Diphtheriebazillus wollte soeben etwas sagen, als sich der Fäulnisbazillus wand, wie er es noch nie getan hatte.
„Entschuldigen Sie, daß ich Sie unterbreche,“ bemerkte er. „Und vergessen Sie nicht, was Sie sagen wollten! Ich bedaure, daß ich dem Beispiel des Gärungsbazillus folgen und sterben muß. Ich bin ganz eingetrocknet, und hier ist nichts für mich zu tun. Mein verstorbener Kollege dort ist zu klein und zu vertrocknet. Sonst würde es mir eine Ehre und Freude sein, ihn verfaulen zu lassen. Adieu also, meine Herren!“
Damit war auch er tot.
„Tja,“ sagte der Cholerabazillus. „Komisch! Ich glaube, der war echt.“
„Das glaub’ ich auch,“ stimmte der Diphtheriebazillus zu.
„Ich auch,“ gestand der Tuberkelbazillus.
Nun lagen sie eine Weile schweigend nebeneinander. Dann krümmte sich plötzlich der Cholerabazillus sehr heftig.
„Warum kommt Katharine nicht mit dem nassen Tuch?“ seufzte er. „Was für ein Pech, daß ich in so ein unordentliches Haus hineingeplumpst bin! Es ist ja doch ein dringendes Bedürfnis, daß hier abgestäubt wird.“