Da ging die Maus fort, einmal, weil sie zu tun hatte, und dann, weil die Worte der Spinne sie verletzt hatten. Aber der Geißfuß und die wilde Petersilie waren ja gezwungen zu bleiben, wo sie waren; und die langen Zweige auf den Baumstümpfen ebenfalls. Und so merkwürdig benahm sich die Spinne, daß keiner von ihnen die ganze Nacht ein Auge schließen konnte, nur weil sie ihr zusahen.
Sie tat nämlich nichts, als fortwährend kopfüber in die Luft springen. Bald hüpfte sie von dem einen Zweige und bald von dem andern hinab, kletterte dann wieder hinauf und sprang von neuem. Und obschon sie keine Flügel hatte, was jeder sehen konnte, senkte sie sich ganz langsam zu Boden oder auf einen andern Zweig; sie sprang kein einzigesmal fehl und kam nicht im geringsten zu Schaden. Hin und her, auf und ab fuhr sie die ganze Nacht hindurch.
„Es ist doch ein Vogel,“ rief die Petersilie freudig aus.
„Gewiß,“ fiel der Geißfuß ein. „Was sollte es sonst wohl sein?“
Aber die Zweige auf den Baumstümpfen schwankten höhnisch gegeneinander.
„Nie und nimmermehr ist das ein Vogel,“ sagten sie. „Kann er denn singen? Habt ihr ihn je auch nur piepen hören?“
Der Geißfuß und die Petersilie sahen sich nachdenklich an. Und als die Spinne einen Augenblick stillsaß und sich verschnaufte, wagte die Petersilie eine Frage:
„Kannst du singen?“
„Puh!“ antwortete die Spinne. „Glaubst du, daß ich mich mit solchem Unsinn abgebe? Weswegen sollte man denn singen? Das Leben ist nur Mühe und Arbeit, und soll ein alleinstehendes Frauenzimmer durchs Dasein kommen, so muß es die Hände rühren und ordentlich zufassen.“
„Die Vögel singen aber doch,“ beharrte der Geißfuß.