„Auch auf uns sitzt sie nicht!“ fielen die Zweige ein.

„Dann ist es also doch ein Vogel!“ riefen die Petersilie und der Geißfuß entzückt.

„Ein Vogel hängt nicht mitten in der Luft und schläft,“ sagten die Zweige.

„Es muß wohl eine Zauberin sein,“ flüsterte die Maus, die in diesem Augenblick hinzukam. „Wartet nur, bis es ganz hell wird, dann bekommen wir es vielleicht zu sehen.“

Und als die Sonne aufging, da sahen sie es.

Zwischen den Zweigen des Geißfußes und der wilden Petersilie war kreuz und quer eine Menge feiner Fäden ausgespannt, die in der Sonne glänzten, daß es ein Vergnügen war. Andere Fäden gingen quer hindurch in Ringen, der eine immer größer als der andre.

„Ah,“ sagte die Maus. „Jetzt versteh’ ich es. Da in der Mitte hat sie gesessen. Aber wo ist sie denn jetzt?“

„Ich bin hier,“ erwiderte die Spinne unter einem Blatte her. „Ich kann den starken Sonnenschein nicht leiden. Wie gefällt dir meine Arbeit? Übrigens bin ich noch nicht fertig damit.“

„Tja,“ sagte die Maus, „offen gestanden, du hast dir da ein komisches Nest gebaut.“

„Nest hin, Nest her,“ sagte die Spinne. „Ihr habt von einem Neste geschwatzt, ich nicht. Du gehst die ganze Zeit davon aus, daß ich ein elendes, weichliches Weibsbild bin wie du und die andern. Ihr irrt euch. Was sollte ich wohl mit einem Neste? Ich fühle mich sehr wohl hier unter diesem Blatte. Hier ist Schatten, und hier ist es gemütlich. Die Fäden sind mein Fangnetz. Darin fange ich Fliegen. Ob nicht ein kleiner Regenschauer heraufziehen wird? Dann kann ich mich wieder an die Arbeit machen.“