„Ganz gewiß,“ sagte die Schwalbe froh. „Im Sommer ist es das grünste Land der Welt. Felder und Wiesen und Wälder und Moore ... alles ist grün und herrlich anzusehen.“
„Ich werde daran denken,“ sagte die Heuschrecke.
„Das kannst du, wenn es dir Spaß macht,“ meinte die Schwalbe lachend. „Aber du kommst nie so weit mit deinen dünnen, kurzen Flügeln. Es sind viele hundert Meilen bis dorthin.“
„Ich fliege besser, als du glaubst,“ erwiderte die Heuschrecke. „Wenn ich nicht zuviel gegessen und den Körper nicht voller Eier habe, dann kann ich sehr schnell fliegen. Ich bin überall hohl, mußt du wissen. Ich pumpe mich voll Luft, und dann geht es.“
„Na ja,“ sagte die Schwalbe. „Es würde mich freuen, da oben einige von deinen Kindern zu treffen.“
„Einige?“ wiederholte die Heuschrecke höhnisch. „Du hast mich wohl nicht richtig verstanden. Wenn es Heuschrecken gibt, dann gibt es so viele, daß sie sich unmöglich zählen lassen.“
„So so,“ sagte die Schwalbe.
„Siehst du,“ fuhr die Heuschrecke fort. „Du hast deinen Mann, deine Kinder und dein Nest; und du glaubst, daß du etwas vorstellst. Eine Heuschrecke aber glaubt nicht, daß sie etwas vorstellt ... so allein für sich. Wenn wir jedoch alle zusammenkommen, dann sind wir stärker als alle anderen. Niemand kann uns aufhalten, niemand kann uns widerstehen. Alles, was uns in den Weg kommt, vernichten wir. Willst du unsern Schlachtgesang hören?“
„Ich habe nichts zu versäumen,“ erwiderte die Schwalbe. „Aber ich glaube, du prahlst.“
„Dann höre,“ rief die Heuschrecke, legte den Bogen an ihre Violine und sang: